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Gebirgslandschaft mit See
  • Rudolf Koller
  • Gebirgslandschaft mit See, um 1857

  • Öl auf Leinwand
  • 75 x 90 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der BEST Art Collection Luzern
  • Inv.-Nr. M 16x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,856
  • Jahr bis: 1,858
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Rudolf Koller erregt bereits während der Studienzeit in München Aufsehen mit seinen Tierstudien und sein Ruf als Schweizer Tiermaler festigt sich zusehends. Der Ruhm verdeckt allerdings seine Leistung in der Landschaftsmalerei. Im Anschluss an Calames pathetische Alpenmalerei entstehen dramatische Kompositionen, aber auch kraftvolle Freilichtstudien in Öl. 1857–58 weilt Koller zusammen mit mehreren Malerfreunden in Richisau im Glarnerland, wo sie unter einfachen Bedingungen in einer Sennhütte leben und gemeinsame Ausflüge unternehmen.

Die vorliegende Ölstudie, die den Klöntalersee zeigt, dürfte in dieser Zeit entstanden sein. Darin wird auf jegliche anekdotischen Elemente und Staffagefiguren verzichtet. Mit breitem Pinsel werden die steil abfallenden, schroffen Felswände wiedergegeben. Sonnenstrahlen tauchen den steinigen Vordergrund und das Gebirge im Hintergrund in ein spärliches Licht. Der schwarz glänzende Gebirgssee verschwindet beinahe im Schatten der Felsen. Helle Wolkenfetzen hüllen die Gipfel ein und bilden kompositorisch einen Ausgleich zur dunklen Mittelpartie. Aufgrund der Wolkenstudie, die sehr unmittelbar und frisch wirkt, darf angenommen werden, dass der Maler hier im Freien gearbeitet hat.

Rudolf Koller wirkt dann am überzeugendsten, wenn er eine Beobachtung oder eine Idee spontan umsetzt und nicht mühsam nach grossformatigen Bildkompositionen sucht. Die 1850er Jahre gelten als die künstlerisch innovativsten in seiner Laufbahn. So beeindrucken die Landschaftsgemälde, die im Glarnerland entstanden sind, generell durch die Unmittelbarkeit, in der sie die umgebende Natur in markigen Pinselstrichen und kräftigen Farben wiedergeben. Die Natur erscheint hier nicht wohlkultiviert, sondern rau und schroff und steckt voller Wachstumskraft und Energie. Man glaubt dem jungen Koller, wenn er voller Inbrunst ausruft: "Es gibt in der ganzen Malerei nichts Schönes, dass es nicht in der Natur noch schöner vorkäme. Die Natur bleibt immer das Schönste."

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