deutschenglisch
Zeichnungen zu den "Scheisse"-Gedichten
  • Dieter Roth
  • Zeichnungen zu den "Scheisse"-Gedichten, 1966

  • Tusche auf Papier, 80 Zeichnungen, je 16 in einem Wechselrahmen
  • 26 x 18 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 83.6:1-80y
  • © Estate of Dieter Roth
  • Jahr von: 1'966
  • Jahr bis: 1'966
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
Weiteres

Bei den Zeichnungen zu den sogenannten "Scheisse"-Gedichten handelt es sich um 80 mit schwarzer Tusche gestaltete Blätter. In verschiedenen Variationen wiederkehrende, mehrheitlich figurative Bildmotive, ergänzt durch handschriftliche, jeweils unter- oder oberhalb der eigentlichen Zeichnung plazierte Satzfragmente, bilden eine zusammengehörende Serie. Der serielle Charakter der Arbeit ist durch die fortlaufende Nummerierung der Blätter angezeigt – freilich beginnt die Zahlenreihe nicht bei "1", sondern bei der Nummer 9. Die 80 Blätter sind gruppiert in 5 Abteilungen von 4 x 4 Blättern in Wechselrahmen à 99.1 x 75 cm.

Obschon teilweise mit wenigen Strichen verfertigt und nur spärlich schraffiert, wirken die meisten Zeichnungen stark perspektivisch und dynamisch. Sowohl Repetition als auch Variation prägt die zeichnerischen Motive: auszumachen sind wiederkehrende Formen gerade auch aus früheren Arbeiten, nicht unähnlich der Stempelbilder aus Mundunculum (1967) mit Leitmotiven wie Doppelprofil, Hut mit eingeblendeter Landschaft, Schifffahrt etc. Immer aber erscheinen diese ähnlichen Motive in veränderter Form, sei es als semantische oder formale Umkehrungen (beispielsweise Figur mit weiblichen gegenüber Figur mit männlichen Attributen; aufrechte und um 180 Grad gedrehte Figur), in einem Positiv-Negativ-Verhältnis zueinander stehend, oder als Verzerrung.

Die Satzfragmente oder "Titel" der einzelnen Zeichnungen verweisen auf jeweilige Gedichte, genauer, auf deren Titel oder zumeist auf die erste Zeile derselben. Die Zeichnungen sind somit nur ein Teil eines grösseren Projekts, zumal zunächst auch nur die Gedichte, je typografisch individuell gestaltet, ohne entsprechende Zeichnungen publiziert wurden.

Auffallend ist, dass die Text-Bild-Relation in den Zeichnungen keine direkt verweisende ist: Die Qualität der Arbeit besteht gerade im Unterlaufen der Erwartung, dass sich beides, Text und Bild, gegenseitig expliziert oder einfach illustriert.

Isabel Fluri