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Anbetung Christi
  • Niederländischer Meister des 16. Jh.
  • Anbetung Christi, ohne Jahr

  • Öl auf Holz
  • 78.5 x 125 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der Stadt Luzern
  • Inv.-Nr. G 760x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,500
  • Jahr bis: 1,599
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Auf dem Mittelbild des vorliegenden Triptychons ist die Darstellung einer Geburt und Anbetung Christi zu sehen. Die dargestellten Figuren sind in lockerer Anordnung über die ganze Bildfläche verteilt, eine übergreifende Bildordnung ist nicht auszumachen. Vor einer baufälligen Architektur gruppieren sich Maria und Joseph, fünf Engel – davon zwei unvollendet oder übermalt – sowie Ochs und Esel um die Krippe, in der das Christuskind liegt. Darüber jubilieren drei Engel, während im Hintergrund die Hirten zur Anbetung eintreffen. Wie bei vielen andern Geburts- und Anbetungsdarstellungen gleicht die Krippe hier einem Sarkophag und weist damit auf den bevorstehenden Kreuzigungstod Christi hin, während die Nacktheit des Kindes seine Menschwerdung akzentuiert. Maria hat keinen Körperkontakt zu ihrem Sohn, mit ihrem Anbetungsgestus wird sie vielmehr in eine distanzierte Relation verwiesen. Das Sitzen auf dem Boden ist ein Zeichen der Demut und betont gleichzeitig die Geburt Christi in ärmlichen Verhältnissen. Die einfachen Hirten, deren Dreizahl wahrscheinlich in Analogie zu den heiligen drei Königen zu verstehen ist, sind gemäss Lukas-Evangelium die ersten, die den Sohn Gottes sehen, ein Zeichen, dass der Erlöser für alle Menschen auf die Welt gekommen ist.

Die Figuren auf den Aussenflügeln wenden sich huldigend der Mitte zu. Abgebildet sind wahrscheinlich der Heilige Antonius und eine Äbtissin auf der linken und die bekrönte Heilige Margaretha (möglicherweise auch die Heilige Helena) sowie die Stifter auf der rechten Seite. Neben der Äbtissin ist ein Hund dargestellt. Seit jeher ein ambivalentes Symbol, ist der Hund im biblischen Text überwiegend negativ konnotiert; in der Offenbarung wird ihm gar zusammen mit den Unzüchtigen, Mördern und Götzendienern der Eintritt ins Paradies verwehrt. In Anbetungs-Darstellungen hingegen ist er eine geschätzte Figur, die Bereitwilligkeit, Treue und Wachsamkeit gegenüber dem neugeborenen König versinnbildlicht. Sittsam neben der Äbtissin liegend, blickt er aus dem Bild und fordert die Betrachtenden zu eben diesen Tugenden auf.

Der Künstler war weniger bestrebt, dem Weihnachts-Thema mit einer ikonographischen Dichte zu begegnen, vielmehr bewirken sein einfacher Pinselduktus, die warme Farbgebung und das kleine Werk-Format eine besinnlich-ernste und vertrauliche Ausstrahlung. Die gewollte Einfachheit manifestiert sich auch auf einer programmatischen Ebene in der gekrönten Figur, die in ihrem Glanz an den äussersten Bildrand gedrängt ist, wo das Betrachterauge zuletzt verweilt. Das Triptychon dürfte ursprünglich in privater Umgebung als Altar gedient haben und gewährleistete als ein Ort der Gegenwart Christi eine unablässige Heilsversprechung. Mit dieser Hinwendung zu einer gefühlsbetonten Darstellung wurde ein Andachtsbild geschaffen, das von einem didaktischen Bildcharakter absieht. Dabei soll das Anbetungsmotiv, das sich in jeder dargestellten Figur erkennen lässt, den Gläubigen zur Andacht bewegen.

Das Werk kam 1955 als Legat von Ida Flersheim (1869-1955) mit weiteren Kunstwerken ins Kunstmuseum Luzern. Die ursprüngliche Herkunft des Werkes lässt viele Fragen offen. Als Künstler wurde bisher der niederländische Maler Cornelis Engelbrechtsen angenommen. Diese Zuschreibung ist allerdings kaum haltbar, ist doch der vorliegende Kastenaltar um einiges naiver gemalt als die virtuos angefertigten Werke Engelbrechtsens. Allerdings erschweren diverse dilettantisch ausgeführte Übermalungen – wie sie am maskenhaft wirkenden Gesicht der Marienfigur oder an der unförmigen Ausgestaltung von Ochse und Esel zu erkennen sind – eine klare Beurteilung. Die geographische Verortung scheint jedoch zu stimmen: Sechs verschiedene Wappen, die sich auf der Aussenseite und teilweise auch auf der Innenseite der Flügel befinden sowie eine teilweise zerstörte Inschrift am unteren Bildrand hinterlassen einige Anhaltspunkte. Während die Inschrift bis anhin nicht entziffert werden konnte, erwiesen sich vier Wappen als Ortswappen aus den niederländischen Provinzen Südholland (Alkemade, Voorschoten und Brielle) und Utrecht (IJsselstein) und lassen demnach auf einen niederländischen Ursprung schliessen.

Denise Frey