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Schneeschmelze
  • Hans Emmenegger
  • Schneeschmelze, 1908/1909

  • Öl auf Leinwand
  • 111 x 162.7 cm
  • signiert und datiert unten links: "HANS EMMENEGGER"
    Datierung mit Farbe übermalt, vermutlich "09"
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der Stadt Luzern
  • Inv.-Nr. G 747x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'908
  • Jahr bis: 1'909
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
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Die Darstellung von Winter- und Schneelandschaften ist um die Jahrhundertwende ein häufiges und beliebtes Bildmotiv in der Schweizer Kunst. Neben Cuno Amiet und Giovanni Giacometti widmet sich auch Hans Emmenegger zu Beginn des 20. Jahrhunderts diesem Bildthema.

Mit 42 Jahren malt Emmenegger das Gemälde „Schneeschmelze“, von dem verschiedene Fassungen existieren, die sich nur geringfügig unterscheiden. So fehlt beispielsweise hier die kahle Baumgruppe, die auf anderen Varianten im oberen rechten Bildteil zu sehen ist. 1902 malt Cuno Amiet ebenfalls eine Schneeschmelze, die Parallelen zu Emmeneggers Winterbild aufweist: Auf beiden Darstellungen dominieren die flächige Malweise und die dekorative Anordnung von Flächen.
Emmeneggers Winterlandschaft ist geprägt von starken Hell-Dunkel-Kontrasten. Fokussiert wird ein leicht nach rechts ansteigendes Schneefeld, das sich wiederum in einen beschatteten und in einen besonnten Bereich unterteilen lässt. Beide Teile weisen bereits grössere abgetaute Flecken auf, die den darunter liegenden Boden freigeben. Vor allem besticht das in warmen Farbtönen gemalte schmale Frühlingsterrain, das sich quer durch das Bild hinweg zieht und immer noch von schneebedeckten Flächen umgeben ist. Nicht ganz in der Mitte des Bildes fällt eine kleine Erdmulde auf, eine Senkung, die zugleich Anziehungspunkt ist und einem Wirbel gleichkommt, in dem das Schmelzwasser versickert. Die Winterlandschaft, die zum Stimmungsträger wird und die Empfindungen und das Wesen Emmeneggers widerspiegelt, ist unberührt, verlassen. Still und einsam liegt sie da, keine Spuren von Lebewesen, weder Mensch noch Tier stören die Gegend.

Das Bild ist in der ähnlichen divisionistischen Technik gemalt wie der ein Jahr zuvor entstandene "Weibliche Akt" (Inv. Nr. 462x). Bei beiden Werken sind es unzählige kurze Pinselstriche, die aneinandergereiht erst im Auge der Betrachtenden und aus Distanz den Gesamteindruck einer Fläche ergeben.
Die "Schneeschmelze", die zu einem der Hauptwerke Emmeneggers zählt, erzielt durch den gewählten Naturausschnitt und durch die Vereinfachung des Dargestellten einen hohen Abstraktionsgrad. Künstlerfreunde von Hans Emmenegger üben allerdings Kritik an dessen neuen Malstil, der Elemente des Jugendstils um 1900 aufgreift. Vor allem aber bemängeln sie den Verzicht auf Figürliches und illustrative Einzelheiten, die die Landschaft bereichern. Max Buri bezeichnet das Werk als "ein zwar gutes, aber langweiliges Bild".

An der XI. Internationalen Kunstausstellung im Glaspalast in München wird Emmenegger 1913 für das grossformatige Bild „Schneeschmelze“ mit einer Goldmedaille geehrt.

Cornelia Ackermann