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HF + Kreuz Black Sign
  • Helmut Federle
  • HF + Kreuz Black Sign, 1981

  • Pigmentfarbe auf Karton auf Hartfaser
  • 208 x 150 cm
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der BEST Art Collection Luzern
  • Inv.-Nr. M 96.4x
  • © 2013, ProLitteris, Zurich
  • Jahr von: 1'981
  • Jahr bis: 1'981
Werkbeschrieb
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Das Werk mit der stattlichen Grösse von 208 x 150 cm wurde mit schwarzer Pigmentfarbe auf Karton auf Hartfaser bemalt. Über die Bildfläche verteilen sich horizontale und vertikale Balken, die ein geometrisches Muster bilden. Die Konzentration richtet sich auf die schwarzen Balken oder auf die hellen Aussparungen des Kartons: Der Blick kann den schwarzen Linien folgen oder von einem zum anderen hellen Rechteck des Bilduntergrundes hüpfen. Sobald sich das Auge einen Überblick verschafft hat, beginnt es nach bekannten Formen zu suchen, wobei der Titel „HF + Kreuz Black Sign“ als Lenkungshilfe wirken kann. An der oberen Bildkante lässt sich ein H sowie auf der linken Bildseite ein F erkennen. Das christliche Kreuz erscheint in der Bildmitte. Im unteren Bildbereich kann auch ein Hakenkreuz gelesen werden. Der Einsatz der Farben Schwarz und Weiss, das Ausmass des Werkes, die Auseinandersetzung mit den Initialen seines Vor- und Nachnamens und mit Symbolen sind Merkmale von Federles Schaffen.

In seiner Ausführung ist es ähnlich wie „Letter from a Region of My Mind“ (1987, vgl. KML Inv.-Nr. D 93.37x): Die perfekte Ausführung basiert auf einem genau durchdachten, dann umgesetzten Konzept. Obwohl es sich um konkrete Malerei handelt, geht es dem Künstler nicht um analytische Untersuchungen von Formen, sondern die Übermittlung des Inhaltes ist ihm von Bedeutung. Bei der Auseinandersetzung mit den Initialen seines Namens geht Federle existenziellen Fragen nach: In “Der letzte Buchstabe meines Namens ist der erste des Todes” (1984) ist es die Thematisierung seiner eigenen Vergänglichkeit und in „Untitled Januar 1981“ (1981) der katholische Brauch in Europa, den männlichen Nachkommen „Maria“ als zweiten Vornamen zu geben. Das Motiv des Kreuzes bildet einen Verweis auf das Thema der Religion in Federles Oeuvre. Durch seine unzähligen Reisen auf der ganzen Welt lernte er unterschiedlichste philosophische und religiöse Gedankenwelten kennen, die in seine Beschäftigung mit Sinnfragen einfliessen. Der Künstler macht sich durch den Einbezug seiner Initialen zum Ausgangspunkt seiner Bilder. Im Gegensatz zu den Konkreten, die jeglichen persönlichen Verweis eliminieren, setzt Federle seine Person ins Bild. Mit seiner geometrischen Malerei bezieht es sich auf die Konkreten, aber setzt sich zugleich von ihnen ab, da es ihm um eine inhaltliche Leseart seiner Werke und nicht um die Konzentration auf das Formale geht. Die Berücksichtigung seiner eigenen Person und Biografie siedelt ihn näher bei der Tradition der Amerikanischen Expressionisten an, die durch die abstrakten und grossflächig homogen gemalten Farbflächen die Betrachtenden emotional berühren wollen.

Zur herausfordernden Chiffre in Federles Oeuvre gehört das Hakenkreuz. Das Werk mit dem von Federle bezeichnenden „Kreuz Black Sign“ entsteht in der Zeit des Kalten Krieges, als das Thema Nationalsozialismus sehr virulent ist. Seine Arbeiten werden als Provokation und in der westlichen Welt negativ aufgefasst. Werke wie „SS-Painting“ (1982) oder der Ankauf von „Asian Sign“ (1980) durch das Kunstmuseum Basel lösen Skandale aus. Ihre provozierende Wirkung behalten sie, auch wenn Federle deren Umdeutung über die religiöse Urbedeutung des Swastika-Zeichens als neutralisierende Erklärung anführt.

Karoliina Elmer