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Schneelandschaft bei Les Verrières mit Blick in Richtung Pontarlier (Studie zum Bourbaki-Panorama)
  • Edouard Castres
  • Schneelandschaft bei Les Verrières mit Blick in Richtung Pontarlier (Studie zum Bourbaki-Panorama), 1876/1877

  • Öl auf Karton
  • 21.5 x 42.7 cm
  • signiert unten links: "E. C."
  • Kunstmuseum Luzern, Eigentum der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Gottfried Keller-Stiftung, Bern
  • Inv.-Nr. E 7x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,876
  • Jahr bis: 1,877
Description
Provenance
Exhibition History
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Other

Das Bild zeigt den Ausblick, den man von der Landesgrenze aus in Richtung Frankreich hat. Dunkle Wolken hängen schwer über dem tief verschneiten Tal. Diesmal sehen wir die Bahnlinie links im Bild; daneben einen Weiler, ein paar verstreute Häuser. Vom strassenseitig liegenden Dorf ist kaum etwas zu sehen. Eine menschenleere Landschaft: Schneefelder, Wälder, Himmel. Die Art, wie der Künstler diese Elemente darstellt, verrät eher eine stilistische Nähe zu den Pleinairisten, als zu den zeitgenössischen französischen Impressionisten. Während uns dieses Bildbeispiel wirklich tiefwinterliche Stimmung vermittelt, ist in einer weiteren Studien (KML E 93.175x) der Schnee auf den Dächern des Zollhauses und des Hotel Fédéral schon zur Hälfte weg geschmolzen. Eine Spur von Wärme durchdringt das ganze Bild. Differenzierte Lichtstimmungen und die winterliche Atmosphäre sind ebenso Gegenstand dieser Schneelandschaften, wie die Topografie des Tales.

Der Vergleich der Studien mit der Landschaftsdarstellung im vollendeten Rundbild einerseits, und mit der Wirklichkeit andererseits, lässt erahnen, mit welchen Schwierigkeiten die topografische Aufnahme im Falle des Bourbaki-Panoramas verbunden war.

Dem künftigen Panoramabesucher sollte ein Rund- und Überblick über Schauplatz und Geschehen geboten werden. Aus inhaltlichen und kompositorischen Gründen sah der Künstler daher einen Standort in der Mitte des Tales vor, zwischen Bahnlinie und Strasse in unmittelbarer Nähe der Grenze. Dieser Ort liegt in Wirklichkeit in einer Mulde und erlaubt keinen Ausblick. So war Castres gezwungen, die landschaftliche Situation von verschiedenen Standorten aus festzuhalten. Daneben konzentrierte er sich auf die Dokumentation der wichtigsten Gebäude.

Castres’ Studien vom winterlichen Les Verrières werden autonom gesehen berechtigterweise zu den reizvollsten Schweizer Landschaftsbildern des späteren 19. Jahrhunderts gezählt. Gemeinsam jedoch sind sie das Rohmaterial, aus dem der Künstler auf dem Bourbaki-Rundbild eine einheitliche künstlerische Wirklichkeit konstruiert hat. Wir erkennen darin alle wesentlichen Elemente des Tales von Les Verrières und der Dorfteile beidseits der Grenze, allerdings kompositorisch gestrafft, auf eine bequeme Sichtnähe herangezoomt und perspektivisch auf den erhöhten Standort der Besucherplattform ausgerichtet.

Brigit Kämpfen-Klapproth