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Jean Frédéric Schnyder
  • Franz Gertsch
  • Jean Frédéric Schnyder, 1972

  • zweifarbige Lithografie
  • 59 x 68.4 cm
  • signiert rückseitig unten rechts, mit Kugelschreiber: "Franz Gertsch"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 95.8z
  • © Franz Gertsch
  • Jahr von: 1'972
  • Jahr bis: 1'972
Werkbeschrieb
Provenienz
Literatur

Franz Gertsch porträtiert in den 70er Jahren nicht nur Luciano Castelli, sondern auch andere seiner Künstlerkollegen: Urs Lüthi, Markus Raetz und Jean Frédéric Schnyder. Er zeigt sie dabei zusammen mit anderen Personen, vor allem aber auch als Einzelporträts. Den letzteren wählt er 1972 als Motiv und stellt ihn in einem Innenraum dar. Schnyder sitzt in einem Korbstuhl, von dem nur ein kleiner Teil von der Rücklehne rechts im Bild sichtbar ist. Der Tisch, an dem er sitzt, wird vom Bild angeschnitten; der grösste Teil davon ragt aus dem Bild. Was von dem Tisch zu sehen ist, ist mit verschiedenen Gegenständen überstellt. Prominent ist eine Kanne, drei Joghurtbecher und rechts daneben eine Flasche auszumachen, dahinter eine Büchse sowie eine Tasse. Schnyder schaut nach links, er ist so fast im Profil dargestellt. Den rechten Arm hat er ausgestreckt, vielleicht deutet er mit dem Finger auf etwas – da die Hälfte der Hand aus dem Bild ragt ist dies nicht eindeutig zu sagen.

Klar ist jedoch, dass in diesem Bild etwas erzählt wird. Typisch für Gertschs Bilder anfangs der 70er Jahre ist auch das Porträt von Jean Frédéric Schnyder überfüllt mit Gegenständen und Details, die den Innenraum, in der sich die Person befindet charakterisieren. Was dieses Porträt jedoch z.B. von „Luciano Castelli I“ aus des selben Jahr unterscheidet, ist das Medium. Es handelt sich hier nicht um ein Gemälde, sondern eine Lithografie. Tatsächlich, obwohl in erster Linie als Maler bekannt, betätigt sich Gertsch auch in der Druckgrafik. Schon als Kind macht er erste Erfahrungen mit dem Holzschnitt, und in den 50er Jahren entstehen drei Holzschnittfolgen in Buchform. Diese Darstellungen sind zwar figurativ, aber noch hat sich Gertsch nicht dem Fotorealismus verschrieben und die Darstellungen sind einfache lineare Zeichnungen. Mit der Entdeckung der Fotografie als Vorlage für seine Kunst lässt er das lineare Medium Holzschnitt fallen. Zur realistischen Wiedergabe mit Hell- und Dunkeltönen eignet sich jedoch die Lithografie. Dreimal stellt Gertsch Porträts auch als Lithografien her. Dazu gehören das Porträt von Tabea (1981), Christina (1983) und Jean Frédéric Schnyder (1972).

Dies bleiben jedoch Gertschs einzige Lithografien. Bis Mitte der 80er Jahre spielt die Druckgrafik in Gertschs Werk tatsächlich eine sehr kleine Rolle. Erst 1986 ändert sich dies schlagartig, als er überraschend zu malen aufhört und sich der Arbeit auf Papier zuwendet. Jedoch ist dies nicht die Technik der Lithografie, sondern er kehrt zum Holzschnitt zurück. Dies ist möglich durch seine ganz einzigartige Methode der Bearbeitung des Holzes, die ihm erlaubt, illusionistisch zu arbeiten: er lässt nicht Linien im Holz stehen, sondern schneidet in das Holz unzählige kleine Löcher.

Sylvia Rüttimann