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Männerbildnis
  • Amedeo Modigliani
  • Männerbildnis, 1917

  • Bleistift auf Papier
  • 24.6 x 16.1 cm
  • signiert und datiert unten rechts, mit Bleistift: "1917/modigliani"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 661y
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'917
  • Jahr bis: 1'917
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
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Amedeo Modiglianis Bleistiftzeichnung "Männerbildnis" von 1917 zeigt das Brustbild eines eher jüngeren unbekannten Mannes in Hemd, Krawatte und Jackett. Mit wenigen Strichen ist ein feines Gesicht mit kleinem Mund, etwas unförmiger Nase und hoher Stirn skizziert. Das Porträt präsentiert den Mann in scheinbarer Frontalansicht, die sich bei genauerer Betrachtung als leichte Schräghaltung des Kopfes herausstellt und die so bei Modiglianis Bildnissen oft anzutreffen ist. Diese Perspektive nimmt den wiedergegebenen Figuren etwas von der "Starrheit", die man gemeinhin mit dem frontalansichtigen Porträt verbindet. Auf vorliegendem Blatt trägt überdies die Gestaltung der Kleidung zum Eindruck der Bewegtheit des Dargestellten bei: die offene Jacke und die seitlich verrutschte Krawatte verleihen dem Abbild eine beträchtliche Dynamik. Das wenig attraktive Gesicht mit dem eigenwilligen Ausdruck wirkt sehr individuell, hat aber freilich nichts von einer Karikatur. Die Gesichtszüge sind ausgewogen und allesamt mit feinem Bleistiftstrich gearbeitet. Unter dem Oberlid verschwindende Pupillen erwecken den Eindruck des schläfrigen Blicks.

Wie auch das "Bildnis Ortiz de Zárate" (KML 662y) ist dieses Männerbildnis mit schwungvoll-grosszügigem Zeichenstrich und fliessender Linie gearbeitet – im Gegensatz zur relativ strengen Geometrie eines weiteren Männerbildnisses von Modigliani in der Sammlung des Kunstmuseums (KML 664y). Eine Eigentümlichkeit von Modiglianis Porträts, bei all diesen drei Bildnissen auszumachen, ist die schiefe Kopfhaltung der Porträtierten, welche die Figuren stets etwas kokett wirken lässt.

Isabel Fluri