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Modellpause
  • Max Pechstein
  • Modellpause, 1925

  • Öl auf Leinwand
  • 64.3 x 78.2 cm
  • signiert und datiert unten rechts: "HMP 1925"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 357x
  • © 2005, ProLitteris, Zurich
  • Jahr von: 1'925
  • Jahr bis: 1'925
Werkbeschrieb
Provenienz
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Literatur
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Fünf Jahre nach den „Frauen mit buntem Teppich“ malt Pechstein dieses Bild, das nicht nur mit der Wahl der Szene auf eine direkte erotisch-sinnliche Ausstrahlung des weiblichen Akts verzichtet, sondern insgesamt, von der Farbgebung, vom Ausdruck, von der Haltung der Frau her eine beinahe unheimliche Unterkühltheit und Zurückhaltung manifestiert. Die mediterrane, wenn nicht gar urtümliche Sinnlichkeit der Südsee, die noch 1920 in den Bildern anklingt, ist hier ganz verschwunden, nicht aber die Intensität der Farben, die die abweisende Kühle noch wirksamer macht und ein Feuerwerk von Licht und Farbspannung inszeniert zwischen dem dunklen Violettblau, den Schwarztönen und dem blassen Weissgelb des Körpers. Die Frau gewinnt durch ihren verschlossenen Charakter wie durch das dekadente Zeitgefühl, das sie ausstrahlt, an Eigenständigkeit und Persönlichkeit im Gegensatz zu früheren Frauendarstellungen Pechsteins, die sehr typisiert wirken. Die verbreitete Meinung, dass die Expressionisten in den 20er Jahren an Intensität verlieren, ist sicher für Pechstein mit diesem Bild widerlegt, das zu den besten Arbeiten des Künstlers gehört. Auch bedeutet das Aufkommen der „Neuen Sachlichkeit“ in Deutschland etwa im Werk von Dix, Grosz oder Beckmann eine Herausforderung an die nun „etablierten“ klassischen Expressionisten, die sich bereits einem Heer von Epigonen gegenübersehen. Pechstein sucht jedoch nicht dieses direkte soziale Engagement. Er lebt noch eindeutiger seine schon immer offensichtliche Vorliebe für Matisse aus, verfolgt dessen späteres Werk. Letzte Spuren des typisch deutschen Expressionismus verschwinden und machen einer immer intensiveren Ausdrucksfähigkeit durch Farbe und ornamentale Gestaltung Platz. Die Qualitäten dieser französischen Tradition werden deutlich, ohne dass man z.B. dieses Bild als uneigenständige Nachschöpfung empfindet. Die deutsche Kunstkritik der damaligen Zeit jedoch sieht nur einen Mangel an Tiefgang. So wird z.B. in der Darstellung des deutschen Expressionismus von Meier-Graefe Pechstein ganz weggelassen. Andere kritisieren die unverhohlene Freude am Dekorativen wie des Künstlers Erfolg zu Beginn der „Brücke“-Zeit. Doch auch der „dekorative“ Pechstein wird von den Nazis geächtet. Es gelingt ihm zwar, den Krieg in Deutschland zu überleben, aber viele seiner Werke werden zerstört.

Martin Kunz (Text aus: Slg.-Kat., Kunstmuseum Luzern, 1983)