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Kühe am Weiher
  • Rudolf Koller
  • Kühe am Weiher, 1874

  • Öl auf Leinwand
  • 50 x 61.5 cm
  • signiert und datiert unten links: "R. Koller Zürich 1874."
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. C 13x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'874
  • Jahr bis: 1'874
Werkbeschrieb
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Das vorliegende, kleinformatige Gemälde ist 1874 am Zürichhorn entstanden. Es zeigt im Hintergrund eine schöne, mit weichem, duftigem Pinsel hingezauberte Landschaft. Eine gewisse Verwandtschaft mit den ungefähr zeitgleichen Werken des Landschafters Barthelemy Menn ist nicht abzusprechen. Im Gegensatz zu dessen "intimen Landschaften" ist aber diese Landschaftsstudie narrativ durchsetzt: Mehrere Kühe und eine kleine Gruppe Kinder besiedeln die ländliche Idylle. Tiere unterschiedlichster Grösse und Farbe haben sich an einem Weiher eingefunden, der ihnen als Tränke dient. Koller hat eine Vorliebe für die Darstellung von Kühen am Wasser entwickelt, weil dies die Wiedergabe von interessanten Lichtreflexen und Spiegelungen ermöglicht. Der Hornbach eigne sich besonders für die "besten Reflexstudien aller Art", lässt Koller in einem Brief an Zünd verlauten.

Der Tiermaler, der um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Tier und Landschaft bemüht ist, kauft sich einzelne Tiere, die er auf seinem Anwesen am Zürichhorn weiden lässt um sie so in ihrer freien, spontanen Bewegung festzuhalten. "Man kann sie nicht im Atelier drin malen, man muss sie im Freien so stellen, dass sie sich trennen von der Luft oder vom Grünen oder sonst vom Terrain", schreibt der Maler an seinen Freund Ernst Stückelberg. Da die Tiere natürlich nicht in ihrer Pose verharren, ist sehr viel Flexibilität vom Maler erforderlich, der im hellen Sonnenlicht meist an mehreren Staffeleien gleichzeitig arbeitet.

Wie in vielen seiner Gemälde, vor allem in jenen aus späteren Jahren, verwendet Koller hier eine ganze Anzahl von Einzelstudien. Die Verschmelzung der plastischen, grossen Tierkörper mit der pleinairistisch gemalten Landschaft will ihm allerdings nicht so recht gelingen und die lang gestreckte, braunfleckige Kuh im Mittelgrund wirkt gar verzeichnet. Besonders prominent ist das im mittleren Vordergrund stehende Kalb platziert, dessen Studie sich in der Sammlung Oskar Reinhart am Stadtgarten befindet. Hier zeigt sich deutlich, wie Koller als Realist sich geweigert hat, seine Tiere zu idealisieren. "Dass das Publikum ein Hinterteil einer Kuh nicht schön findet, begreife ich. Aber bei derart Bildern macht der Tiermaler keine Ansprüche, grosse ästhetische Werke in die Welt zu setzen. Es genügt mir, wenigstens ein einfach wahres Bild zu malen". (Rudolf Koller an Ernst Stückelberg, 20.02.1865)

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