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Education Suisse: Der Vater und sein Sohn
  • Aldo Walker
  • Education Suisse: Der Vater und sein Sohn, 1982

  • Dispersion auf Baumwolle
  • 164 x 316 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 88.3x
  • © Nachlass Aldo Walker
  • Jahr von: 1'982
  • Jahr bis: 1'982
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
Weiteres

In den 1980er Jahren entsteht eine Reihe von figurativen Bildern von Aldo Walker in einem charakteristischen linearen Stil, der sich weder als Malerei noch als Zeichnung bezeichnen lässt, der sich weder der „wilden Malerei“ von Martin Disler oder Walter Dahn noch zur „Neo-Geo-Malerei“ von Franz Wanner oder Helmut Federle zuordnen lässt. Auf einem neutralen, einfarbig grundierten Tuch werden Figuren durch Linien, die keinerlei persönliche Handschrift aufweisen, konturiert. Die Figuren heben sich klar und scheinbar eindeutig identifizierbar vom Grund ab. Dennoch hinterlassen sie beim Betrachter in Bezug auf das, was sie meinen, eine Offenheit.

Das Bild „Der Vater und sein Sohn“ aus der Reihe „Education suisse“ spricht im Titel auf eine Beziehung zwischen zwei Personen an, obwohl auf dem Bild drei Figuren nebeneinander in einer sitzenden Haltung zu sehen sind – eine Abfolge der Generationen. Gemäss Roman Kurzmeyer (Zürich: edition fink, 2006) suggeriert der Titel: „es handle sich um eine Arbeit, welche die Frage nach Ähnlichkeit und Differenz aufwerfe, tatsächlich aber ist es die identische Wiederholung einer Figuration, thematisiert also die Serie.“ Die Ähnlichkeit, die zwischen Vater und Sohn normalerweise in den Gesichtzügen gesucht wird, wird zusätzlich über die weissen, maskenartigen Gesichter verweigert. Die Masken ohne Mund und Nase, mit schwarzen Löchern für die Augen erinnern an die drei Affen, von denen einer nichts hört, der andere nichts sieht und der dritte nichts sagt. Auffallend ist auch die sich wiederholende Dreiergruppierung in der Werkgruppe „Education suisse“ („Herr Ober, wir verändern die Welt“), sodass eine Beziehung zwischen der Nachahmung der Affen und der Ausbildung Nahe liegt, die ähnlich wie die Erziehung gerade darauf aufbaut.

Die Füsse und die Hände laufen in die schwarz grundierte Leinwand aus. Die Figuren scheinen deshalb nicht wirklich verortet, obwohl sie direkt in die Grösse der Leinwand eingepasst sind. Indem die drei identischen Figuren etwas näher am oberen oder am unteren Rand platziert sind, wirken sie grösser oder kleiner und nehmen so die Beziehung zwischen Ähnlichkeit und Differenz wieder auf und verankern die serielle Figur in einer zeitlichen und räumlichen Disposition, einer immer wieder gleichen Abfolge von Vater und Sohn.

Annamira Jochim