deutschenglisch
Bildnis der Frau Landammann Oberlin-Natsch
  • Felix Maria Diogg
  • Bildnis der Frau Landammann Oberlin-Natsch, 1796

  • Öl auf Leinwand
  • 73 x 61.3 cm
  • signiert und datiert unten links: "J. Diog Pinx 1796"
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der BEST Art Collection Luzern
  • Inv.-Nr. M 39x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'796
  • Jahr bis: 1'796
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
Weiteres

Das vorliegende Porträt gehört zu den zahlreichen biedermeierlich-einfachen Bildnissen Felix Maria Dioggs. Es zeigt in relativ grossem Format eine Frau in Dreiviertel-Ansicht vor neutralem, dunklem Hintergrund. Sie trägt ein grünes, trachtenähnliches Kleid, darüber ein grün und rosa gestreiftes Schultertuch mit Fransen, das vorn zu einer auffälligen Masche gebunden ist. Hinter dem straff zurückgebundenen Haar wird eine Haube mit weissem Spitzenrand und Blumen sichtbar. Die Frau trägt unterschiedlichen Schmuck: Am auffälligsten ist ein schmales, schwarzes Samtbändchen, das vorn von einer kleinen, herzförmigen Brosche zusammengehalten wird und über der Masche in einem goldenen Kreuz endet. Unter dem Band glänzt ein goldenes Halskettchen. Längliche Ohrringe vervollständigen die repräsentative Erscheinung der Frau.

Neben der Kleidung und des Putzes, die auf die gehobene soziale Stellung der Dargestellten hinweisen, bleibt das Hauptaugenmerk des Künstlers auf das Gesicht gerichtet. Dieses wirkt trotz angedeutetem Lächeln und leicht nach unten gesenktem Blick ernst und selbstsicher. Würde und Haltung sowie eine gewisse strenge Frömmigkeit sprechen daraus, ein Eindruck, der durch das sorgfältig über der Brust drapierte Kreuz wohl auch beabsichtigt ist.

Diogg dringt in seinen Porträts selten in wirklich private Sphären vor, sondern zeigt den offiziellen Ausdruck des Menschen, so wie dieser in der Öffentlichkeit gesehen werden möchte. Dennoch trifft er den Charakter des bürgerlichen Auftraggebers ziemlich genau. Die Individuen, die oft eine reservierte Würde ausstrahlen, interessieren ihn mehr als der Stand oder anekdotische Details. Die Bilder sind nicht unbedingt geistreich oder elegant, aber sorgfältig und sauber gezeichnet und im Detail naturgetreu. Einzelne Partien wirken zuweilen steif oder hölzern, wie etwa beim Bildnis des Ehemannes der Dargestellten (vgl. KML M 38x). Bei ihr handelt es sich um die Tochter des alten Landammans Natsch und Ehefrau des Landammans Oberlin in Mels. Laut Hugelshofer gehören die drei Porträts, die Diogg von ihnen gemalt hat, zu den vorzüglichsten Leistungen Dioggs, denn er habe hier eine völlig eigene, reife und einnehmende Form für das Bildnis gefunden.

Regine Fluor-Bürgi