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Landschaft mit Häusern
  • Chaïm Soutine
  • Landschaft mit Häusern, 1918

  • Öl auf Leinwand
  • 54 x 64.5 cm
  • signiert unten rechts, mit roter Ölfarbe: "C. Soutine"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 365x
  • © 2005, ProLitteris, Zurich
  • Jahr von: 1'918
  • Jahr bis: 1'918
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
Weiteres

Durch die Bekanntschaft mit dem Bildhauer Lipchitz lernt Soutine 1916 Amadeo Modigliani kennen. Mit den beiden Künstlern wohnt er in der Cité Falguière, wo sie ihre Malateliers haben. Aus dieser Zeit stammen die ersten erhaltenen Gemälde. Es sind Darstellungen der Cité und Stillleben. 1918 reist Soutine mit Modigliani nach Südfrankreich, nach Vence und Cagnes-sur-Mer.

Die "Unheimliche Landschaft", die später unter dem Werktitel "Landschaft mit Häusern" bekannt wird, ist eine der ersten Landschaftsdarstellungen Soutines überhaupt und vermutlich in Südfrankreich entstanden. Sie zeigt bereits Vorstufen der Elemente, die typisch sein werden für die Céret-Landschaften von 1919 bis 1922. Dazu gehören die sich wie Schlangen windenden Baumstämme, die steile Aufsicht auf die einzelnen Bildteile, die nach oben führende Strasse mit der gehenden Figur. Soutine löst sich von klassischen Landschaftsvorstellungen, wie der Luftperspektive. Er formt nicht nur mit der Farbgebung und dem vitalen Pinselduktus eine aufgewühlte Landschaft, sondern die ganze Bildstruktur lässt konventionelle Kompositionsschemata völlig beiseite. Die Landschaft wird wie von einem stürmischen „Farb-Atem“ in den Bildraum hineingewirbelt und von einer unheimlichen Dynamik durchdrungen, ohne dabei auseinander zu fallen. Für Soutines radikal neue Bildvorstellung kann die Darstellung als ein Schlüsselbild bezeichnet werden, da sie auch ganz im Gegensatz zu den anderen Bildern des Frühwerks von 1916 bis 1918 steht.

Die späten Landschaften sind zwar strukturierter und klarer im Aufbau, haben aber kaum an Rhythmus und monumentaler Kraft verloren.
Das Bild gelangt 1944, dank der Schenkung Minnich, zusammen mit "Lina" (Inv. Nr. 367x) und dem "Zimmermädchen" (Inv. Nr. 366x) in den Besitz des Kunstmuseums Luzern.

überarbeiteter und gekürzter Text von Martin Kunz, 1983