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Haus unter Nussbäumen (Schellenmatt)
  • Robert Zünd
  • Haus unter Nussbäumen (Schellenmatt), 1863

  • Öl auf Leinwand
  • 77 x 103.7 cm
  • signiert unten links: "R. Zünd"
  • Kunstmuseum Luzern, Eigentum der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Gottfried Keller-Stiftung, Bern
  • Inv.-Nr. E 62x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,863
  • Jahr bis: 1,863
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Im Gegensatz zu seinen Genfer Lehrern François Diday und Alexandre Calame hat es Zünd nie in die Hochgebirgsregionen gezogen. Auch Winterlandschaften kennt man vom Luzerner Maler nicht. Zünd, der zeitlebens nicht gerne reist, begnügt sich mit den Sujets aus seiner näheren Umgebung. In seiner Auffassung von Technik und Komposition erweist er sich jedoch als typischer Maler in der Nachfolge der grossen Landschaftsmaler des 18. und 19. Jahrhunderts. Vorstudien in Form von Bleistift- und Ölskizzen, die als Modelle für weitere Entwürfe Verwendung finden, sind ihm wichtiges Arbeitsmaterial. Dies wird in seiner Werkgruppe um die „Schellenmatt“ ersichtlich.

Die Schellenmatt, ein Hof am Luzerner Stadtrand und unweit von Zünds Wohnhaus entfernt, ist für Zünd ein sinnliches Motiv, bäuerliches Leben mit einer lieblichen Landschaft in Einklang zu bringen. Motive wie ein Bauernhof, ein Kornfeld, Bäume und Staffagefiguren erscheinen in unterschiedlichen Kompositionsanordnungen und -dichten. In allen „Schellenmatt“-, bzw. „Kornfeld“-Gemälden, so auch im Bild „Haus unter Nussbäumen“, sind die lichtdurchfluteten, in voller Blätterpracht stehenden Bäume zentrales Bildmotiv. In ihnen spiegelt sich Zünds Vorliebe und Kennerschaft wieder, Blattwerk in unterschiedlicher Qualität wiedergeben zu können. Die Variation in der Lichtführung und die umfangreiche Palette der Grün der Blätter ist gerade im „Haus unter Nussbäumen“ faszinierend und entscheidend für die Plastizität des Bildmotivs.

Die Mächtigkeit der Nussbäume erwirkt der Künstler auch mit kompositorischen Mitteln. Die Schellenmatt im Hintergrund wirkt klein und zierlich, gleichsam die Staffagefiguren, die sich über die ganze Bildbreite verteilen. Den holländischen Landschaftsmalern entliehen ist Zünds Gestaltung des Grundes, der sich flach ausweitend tief in den Hintergrund erstreckt, unterstützt durch die Anlage des Weges, der ins Bild hineinführt. Auch der Bauer in Rückenansicht führt den Blick der Betrachter in die Bildtiefe.

Wie aus einer Bleistiftmarkierung am Keilrahmen entnommen werden kann, hat Zünd das Bild auf den 1. Oktober 1863 datiert. Es steht damit in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem der Hauptwerke Zünds, der „Ernte“ von 1859/60 (Öffentliche Kunstsammlung Basel, Kunstmuseum). Die „Ernte“ wie auch weitere Bilder aus der Gruppe der „Kornernten“ sind für Zünd typische Kompositbilder, die mit wiederkehrenden Motiven ähnlichen Schemata gehorchen. So verfügen sie über einen tiefen Horizont und eine starke perspektivische Verkürzung des Vordergrundes, der meist mittels einem Kornfeld oder im Falle der „Schellenmatt“ einer Wiese ausgezeichnet ist. Die vom Keilrahmen entnommene Datierung des Luzerner Gemäldes darf deswegen auch aufgrund seiner thematischen und kompositorischen Anlage als zutreffend bezeichnet werden. Vergleichbar mit seinen späteren „Eichwäldern“ muss die thematische Gruppe um die „Schellenmatt“ ein von Kunden bevorzugtes Motiv gewesen sein. Dies belegen auch die zahlreichen Variationen der „Skizzchen“ zu den Kornernten, die Zünd jeweils seinen Interessenten zur Auswahl und Bestellung zugesandt hat.

Susanne Neubauer