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Blick von Schönbühl gegen den Vitznauerstock
  • Robert Zünd
  • Blick von Schönbühl gegen den Vitznauerstock, ohne Jahr

  • Öl auf Leinwand
  • 75.7 x 99.8 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der BEST Art Collection Luzern
  • Inv.-Nr. M 2000.10x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,900
  • Jahr bis: 1,909
Description
Provenance
Exhibition History
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Other

Das Gemälde „Blick von Schönbühl gegen den Vitznauerstock“ ist wie die meisten der Landschaftsdarstellungen Robert Zünds ein sogenanntes Kompositbild, eine, wie Gottfried Keller treffend beschrieben hat, „ideale Reallandschaft oder reale Ideallandschaft“. Aus verschiedenen Ansichten, bisweilen auch mit unterschiedlichen Perspektiven, komponiert der Maler ein Ganzes und bevölkert die Szenerie mit Staffagefiguren, die das Bild beleben, bei Zünd jedoch nie Hauptthema werden. Markante Motive, wie der Pilatus, der Bürgenstock oder die Rigi, geben den Bildern jeweils den Namen, ohne dass sie vom Künstler jedoch selbst betitelt worden sein müssten. Namensgebungen sind meist posthum entstanden. Trotz der Wiedererkennbarkeit von Gebirgen sind Zünds Gemälde eher Annäherungen an eine landschaftliche Stimmung, als dass sie Dokument einer geografischen Begebenheit wären.

Das Gemälde zeigt Zünds Vorliebe für beschattete Vordergründe und von der Sonne beschienene Mittelgründe, die von einer luftperspektivisch in die Ferne gerückten Hügel- und Bergkette abgeschlossen werden. Auffallend sind auch die horizontale Staffelung der Baumreihen und die perspektivische Verkürzung der Wiesenflächen, ein weiteres Mittel, eine grosse Bildtiefe zu erreichen. Die Staffagefiguren sind idealisierte junge Menschen und Kinder in sonntäglichen Bauernkleidern – städtische Bekleidung hat Zünd nie dargestellt. Aus einer gutbürgerlichen Familie der Stadt Luzern stammend hat er auch nie die Schattenseiten des harten Land- und Bauernlebens dokumentiert.

Der „Blick von Schönbühl gegen den Vitnauerstock“ ist ein unvollendetes Gemälde und deswegen ein äusserst aufschlussreiches Dokument zu Zünds malerischem Vorgehen. Ausgehend von der Skizze wendet der Maler für seine Bildfindung einen akribischen Arbeitsprozess an, der jegliche Zufälle im Vorfeld ausschaltet. In Skizzenbüchern hält er kleine, oftmals nur Briefmarken grosse Entwürfe fest, die er bei gutem Gelingen auch mit Sepia und Tusche laviert und für die Übertragung in ein grösseres Format quadriert. Die sehr frei skizzierten Naturstudien überträgt Zünd auf ein grösseres Blatt und arbeitet mit Feder die Konturen der Hauptmotive heraus. Mit Hilfe von Pausen kombiniert Zünd auch verschiedene Entwürfe und nähert sich so seiner fertigen Komposition an.

Das unvollendete Gemälde „Blick von Schönbühl gegen den Vitznauerstock“ zeigt im Mittelgrund eine in braun lavierte Fläche, die erste Malschicht nach der Grundierung der Leinwand. An den Baumwipfeln ist der schichtenartige, mit dem Weiss des Himmels im Wechsel stehende Aufbau des Blattwerks erkennbar, das grossflächig grün gesetzt wird. Erst nach diesem mehrschichtigen Aufbau setzt Zünd mit einem kleinen Pinsel Blatt an Blatt und erreicht so eine schöne Modulation der Baumkronen.

Susanne Neubauer