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Logotyp I (Alpenreihe)
  • Aldo Walker
  • Logotyp I (Alpenreihe), 1975

  • Eisen, Holz und Modelliermasse
  • 20 x 57 x 41 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 179w
  • © Nachlass Aldo Walker
  • Jahr von: 1,975
  • Jahr bis: 1,975
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Die „Logotypen“ sind kleine Objekte, die aus verschiedenen Materialien wie Metall, Gips und Beton zusammengefügt und zum Teil mit bestehenden oder in Kleinformat hergestellten Gebrauchsgegenständen verbunden sind. In ihrer Grösse erinnern sie an Modelle wie sie zum Beispiel in der Architektur gebraucht werden, um die Struktur und die Materialität eines Gebäudes in einem kleineren Massstab zu veranschaulichen. Man kann um diese Modelle herumgehen und sie von verschiedenen Seiten betrachten und beleuchten.
Der Begriff „Logotyp“ kommt aus dem Schriftsatz und bezeichnet ein Verfahren, bei dem mehrere Buchstaben auf einer Type zusammengefügt sind. In diesem Sinne können die einzelnen Elemente der Objekte Walkers auch als solche Kombinationen verstanden werden. Anders als in der Logik der Sprache sind hier die Relationen offen. Denn über die Heterogenität der Gegenstände werden immer wieder neue Verknüpfungsmöglichkeiten entworfen.

Der Künstler greift mit seinen Logotypen verschiedene Ansätze der Kunst auf – die Readymades von Duchamp im Gebrauch kleiner alltäglicher Gegenstände, die Konzeptkunst in der Anknüpfung an die Logik der Sprache – und unterwandert diese, indem er einen Bezug zu lebensweltlichen Fragen herstellt. Anstatt die Kunst immer wieder mit sich selbst erklären zu wollen, werden bei Aldo Walker sämtliche Ordnungen, Strukturen und ihre Logik hinterfragt und ausgeweitet. Im Katalog von 1975 des Kunstmuseums Luzern beschreibt der Künstler in einem Interview mit dem Kurator Jean-Christophe Ammann diese Zusammenhänge folgendermassen:
„Mein Weg besteht in einer Loslösung von Kunst, die sich stets nur selbst begreift. Diese Loslösung zugunsten eines Wirklichkeitsbezuges brachte mich über allerlei Umwege (…) zu dem, was ich einen Logotyp nenne. Es handelt sich dabei nicht um eine Form, sondern um eine Relation. Eine Relation nicht-klassifizierender Art, ohne ideologische Ausrichtung, eine Art Formel. Logotypen, wie ich sie verstehe, haben keine Bedeutung an sich; sie schaffen eine Bedeutung erst mit und durch den Betrachter. Diese Bedeutung ist so vielfältig wie die Rezeptionsmöglichkeiten oder die Lebensform des Betrachters. Aber ein Erkenntnisvorgang ist mit dem Gebrauch stets verbunden.“

Die Objekte Aldo Walkers eröffnen also eine Plattform, die zu Diskussionen und Denkvorgängen anregt. Aus dieser Reihe, die in den Jahren um 1975 entstanden ist, sind nur noch zwölf Logotypen erhalten, von denen sich neben dem „Logotyp I (Alpenreihe)" noch fünf weitere in der Sammlung des Kunstmuseums Luzern befinden.

Kleine auf einem Metallgestell modellierte Bergspitzen geben dem „Logotyp I“ seinen in Klammern beigefügten Namen „Alpenreihe“. Diese modellhaft für die Schweizer Berge stehende Reihe ist spiralförmig auf dem etwas über einen kleinen Sockel erhöhten Plateau angebracht. Mit der Spirale spielt der Künstler vermutlich auf die in den 1970er Jahren entstehenden Landartprojekte amerikanischer Künstler an – insbesondere der „Spiral Jetty“ von Robert Smithon. Diese in der Landschaft entwickelten Werke in einem überdimensionierten Massstab sprengten die Grenzen von Kunst und ihrem Ausstellungsort, dem Museum oder der Galerie. Die mehrfach auftretenden Verweise des Künstlers auf andere Kunstrichtungen und -formen sind Ausdruck einer intensiven Auseinandersetzung mit der Frage nach der Kunst.
Wie in anderen Logotypen stellt Aldo Walker hier sowohl mit der spiralförmigen Anordnung der Bergkette als auch mit ihrer Umgebung einen Zusammenhang zwischen sonst nicht ganz zusammenpassenden Elementen her: die idyllische Berglandschaft und die an geschnitzte Flöten erinnernden Holzstückchen, die eine bukolische Welt eröffnen, treten neben den eher technisch anmutenden Unterbau hydraulischer Geräte. Jean-Christophe Ammann spricht im Katalog zur Ausstellung im Kunstmuseum Luzern von 1977, in dem eine ganze Reihe der Logotypen vorgestellt wird, von einem „Bild“, das „gleichsam über die Schatten der Bergketten“ geschaffen, „den Flötenton stumm in die Behälter fliessen (lässt), von wo aus das Spektakel des Panoramas den Lauf einer ‚verkehrten Welt’ nimmt, die jeder für sich wieder auf die ihm selbst ‚geläufigen’ Füsse stellen kann.“

Annamira Jochim