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Città
  • Anthony Douglas Cragg
  • Città, 1986

  • Holz, bemalt
  • 205 x 280 x 200 cm
  • signiert und datiert auf Zertifikat, mit Kugelschreiber: "This ist the Certificate for the / work "Citta" made by me in 1986. / AD Cragg 6.9.87."
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 87.56w
  • © Anthony Cragg
  • Jahr von: 1'986
  • Jahr bis: 1'986
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
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Die Skulptur "Città" von 1986 bezeichnet eine Übergangsphase im Schaffen Anthony Craggs, in der er sich vom Sammeln und Auslegen gefundener Kunststoff-Fragmente oder Naturmaterialien abwendet und mit der Gestaltung eigener skulpturaler Formen beginnt. Die zuvor gebrauchten Silhouetten hatte er aus Vorlagen übernommen. Konstant bleibt dabei die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur und Zivilisation, die er sowohl mit natürlichen als auch industriellen und künstlichen Materialien erkundend hinterfragt.

So bietet "Città" eine Mischung aus Vorgefundenem – einem Küchentisch und einem Schrank – und eigens Hergestelltem – einer sich türmenden Spirale aus kleinen aneinander geleimten schematischen Satteldachhäusern –, die in der installativen Anordnung spannungsreich grundsätzliche Aspekte einer Stadt evoziert. Die umgestülpten Grössenverhältnisse erzeugen im widersprüchlichen Betrachterbezug Irritation: Tisch und Schrank überragen die Miniaturhäuschen, die vorstellungsgemäss entsprechend kleines Mobiliar enthalten würden. Die Greifbarkeit und Überschaubarkeit des Mobiliars, das auf einen einzelnen Menschen bezogen ist, wird mit dem Massstabwechsel auf die Menge der Häuser übertragen. Ebenso finden sich die Intimität und Singularität einer einzelnen Wohnung, hier durch Schrank und Küchentisch versinnbildlicht, in starkem Kontrast der Masse anonymer, schematischer, geschichteter Häuser gegenübergestellt. Simultan zeigen sich in der Dreierkonstellation innen und aussen, Singularität und Masse, Intimität und Anonymität, Nähe und Distanz. Das Holz, aus dem alle Elemente bestehen und die weisse Dispersionsfarbe, die alles bis auf ein Tischbein überzieht, vermögen knapp eine Verklammerung der Kontraste zu leisten. Das Naturmaterial Holz, das als Rest unter der unvollständigen Übermalung hervor scheint, mutet wie ein Widerstand gegen die Vereinheitlichung an.

Mit einfachen Mitteln vermag Cragg die grundsätzlichen und widersprüchlichen Erfahrungen urbanen Lebens zu evozieren. Die Archetypen der Gemeinschaftsform "Stadt" finden sich in der simultanen Erscheinung ihrer Pole, die den Betrachter in ihrer Kontrastwirkung umso stärker angehen, äusserst prägnant erfasst.

Martina Papiro