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Mouth to Mouth
  • Stephanie Smith und Edward Stewart Smith/Stewart
  • Mouth to Mouth, 1995

  • Single-Screen-Video U-Matic PAL, Schwarz/Weiss, Ton, Auflage: 2/10
  • signiert auf Archivmaster: "S. S. Smith/E. Stewart"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 99.80v
  • © Smith/Stewart
  • Jahr von: 1'995
  • Jahr bis: 1'995
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
Weiteres

Das Schwarzweissvideo zeigt Stewart voll bekleidet in einer Badewanne unter Wasser liegen. Er schaut angestrengt in die Kamera und immer wieder zu Smith, die ihn nervös vom Badewannenrand her beobachtet. Nach seinem ersten sprudelnden Ausatmen beugt sie sich zu ihm herab, um ihm Atem zu spenden. Dieses wiederholt sich ein paar Mal, wobei die Abstände zwischen den einzelnen Beatmungen immer kürzer werden. Wie alle Arbeiten von Smith/Stewart wurde der Originalton verwendet, man hört Smith Luftholen und Stewarts Ausatmen unter Wasser. Nach einem kurzen Blackout beginnt das Video von neuem. Stewarts Auftauchen wird nicht gezeigt.

„Mouth to Mouth“ kann man mit einer Reihe von kussassoziierten Werken von Smith/Stewart in Beziehung setzen, aber auch gleichzeitig zu Werken wie „Breathing Space“ (KML 99.78v), die eine gewisse Lebensbedrohung für die Protagonisten beinhalten. Während sich Smith/Stewart in ersteren mit den Übergängen und Zwischenstufen in Beziehungen beschäftigen, haben letztere die Begrenztheit der menschlichen Existenz durch die Abhängigkeit vom eigenen Körper zum Thema.

Das Unvermögen zu Atmen, die Behandlung des Körpers des Partners als sei es der eigene, und mögliche Lesarten von Küssen sind wiederkehrende Motive im Werk von Smith/Stewart. Mit dem ersten Atemzug beginnt das Leben, mit dem letzten endet es. Er begleitet unsere ganze Existenz und war auch schon immer da seit es Menschen gibt. Fragil und ewig zugleich, automatisch und unbewusst. Smith/Stewart holen ihn uns wieder ins Bewusstsein zurück. Durch das Verwenden von archaischen Ängsten kann jeder Betrachter sich einfühlen und fürchtet mit. Stewarts Blick spricht den Zuschauer noch dazu direkt an. In „Mouth to mouth“ ist es zwar in erster Linie das Luftgeben von Smith, aber es ist auch ein Kuss. Fürsorglich und lebensnotwendig. Sie atmet für ihn mit. Wie siamesische Zwilling teilen sie den Körper.

Die Szene aus „Mouth to mouth“ wurde im selben Jahr noch einmal in Farbe für die Doppelprojektion „Sustain“ realisiert. Dort wurde sie einem Video gegenübergestellt, in welchem Smith Stewarts Körper mit unzähligen Knutschflecken bedeckt.

Julia Strebelow