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Trachtenbild
  • Josef Reinhard
  • Trachtenbild, um 1800

  • Öl auf Leinwand
  • 70.5 x 58 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern, Eigentum der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Gottfried Keller-Stiftung, Bern
  • Inv.-Nr. E 17x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,796
  • Jahr bis: 1,802
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Es gibt im Zusammenhang mit dem Luzerner Trachtenzyklus viele ungeklärte Fragen. So ist heute nicht mit Bestimmtheit festzustellen, welche Gemälde ursprünglich in diese Serie gehörten. Überhaupt muss bezweifelt werden, dass es sich um einen kompletten, unveränderten Zyklus handelte. Einen wesentlichen Anhaltspunkt geben die 44 Umrissradierungen, die der Basler Künstler und Verleger Peter Birmann (1758–1844) in zwei Lieferungen als Mappe mit losen Blättern in den Jahren 1801 und 1802 unter dem Titel „Collection des Costumes Suisses, peints par Reinhard“ herausgegeben hat. Von den 44 reproduzierten Gemälden sind heute 36 erhalten, 34 gehören der Gottfried Keller-Stiftung, eines dem Kunstmuseum Olten und eines dem Landesmuseum. Sie haben alle das gleiche Format von ungefähr 71 x 59 cm. Als im Jahre 1928 die Gottfried Keller-Stiftung gemeinsam mit der Luzerner Kunstgesellschaft 37 Trachtenbildnisse aus dem Nachlass der Familie von Oberst Alphons Pfyffer erstand, waren aber auch drei weitere Gemälde mit identischem Mass und gleicher Ausführung dabei, die bei Birmann als Grafik nicht reproduziert wurden. Zu diesen gehört auch das vorliegende Gemälde. Nicht eindeutig festzustellen ist, ob es sich um Menschen aus dem Kanton Solothurn oder dem Kanton Bern handelt.

Zu den frühsten Quellen, die Reinhards zweiten Zyklus nennen, gehören die Reiseführer. Bereits 1805 wird in einem Führer von Heinrich August Ottokar Reichard erwähnt, dass „bey dem Maler Reinhard, die Sammlung von Schweizer-Kostumen“ zu sehen sei. Und 1811 empfiehlt Joseph Businger in seinem Führer den Besuch der „Gemählde Sammlungen“: „Jene des Herrn Josephs Reinhard von ihm selbst mit vieler Kunst in Oehl gemahlt, verdient einer vorzüglichen Erwähnung. Sie besteht in 46 Familien-Gemählden, oder 132 Portraits lebender oder nun verstorbener Personen, in ihrer eigenthümlichen Nationaltracht und niedlicher Gruppierung dargestellt. Gegen ein sehr billiges Eintrittsgeld kann dieses mit ausserordentlichem Fleiss und Unkosten aufgenommene und niedlich ausgeführte Kunstkabinett besehen werden.“ Wann Reinhard dieses Kunstkabinett eröffnete ist nicht klar, doch ist die Zeit um 1802 wahrscheinlich.

Christoph Lichtin