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Pastorale
  • Josephine Troller
  • Pastorale, 1963

  • Öl auf Leinwand
  • 80 x 130 cm
  • signiert unten links: "Josephine T.", verso: signiert und datiert, mit Pinsel, schwarz: "Josephine/Troller/61-1962-63/Pastorale"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 175x
  • © Nachlass Josephine Troller
  • Jahr von: 1,963
  • Jahr bis: 1,963
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Josephine Trollers 1963 entstandenes Ölgemälde „Pastorale“ zeigt einen perspektivisch angelegten Raum, der im Hintergrund durch eine Reihe von in rosa und bläulichen Pastelltönen gefärbten Orgelpfeifen abgeschlossen wird. Seitlich ist die hellblaue Bodenfläche, auf der sich lediglich ein grauer, kelchförmiger Topf mit einem Blumenstrauss befindet, von Blumen- und Pflanzenrabatten begrenzt. Die Gewächse – palmen- und gummibaumartige blaue und blaugrün gemalte Büsche sowie kleinere Blumen mit meist roten und weissen Blüten – nehmen formal die vertikale Ausrichtung der verschieden hoch gestaffelten Orgelpfeifen auf. Die grosse, breitformatige Leinwand zeigt einen Schauplatz, der durch den wolkigen Himmel und die Büsche als Aussenraum, durch die Orgel dagegen als Innenraum gekennzeichnet ist.

Im Wesentlichen entspricht die Komposition von „Pastorale“ einem wiederholt auftretenden Bildtyp im Werk von Josephine Troller, nämlich dem des streng symmetrisch angelegten, klar begrenzten Aussenraums. Diese in ihrer exakten Konstruiertheit und offenkundig kalkulierten Farbgebung forciert künstliche, an einen Bühnenprospekt erinnernde Bildordnung findet sich sowohl in querformatigen Ölgemälden und den entsprechenden diese vorbereitenden Bleistiftskizzen seit Ende der 1960er Jahre, als auch in zahlreichen kleinformatigen Kugelschreiberzeichnungen, die vornehmlich um 1973 und zu Beginn der 1980er Jahre entstehen. Die Deutung dieser Raumstruktur als Bühne liegt nicht nur wegen des biografischen Bezugs der Künstlerin zum Theater nahe – ihr Ehemann war Sänger am Luzerner Theater, ihr Sohn macht später Karriere als Theaterregisseur und Dramaturg – auch die Inszenierung einer in der Bildmitte auftretenden Figur oder eines Objekts, im vorliegenden Fall des Blumenbuketts, verweist auf die theatrale Bühnensituation als Folie für solche Darstellungen.

„Pastorale“, der Titel des Gemäldes, referiert zunächst auf eine idyllische Hirtenszene – die bukolische Natur gilt als ein bedeutender Topos der bildenden Kunst seit der Renaissance. Allerdings lässt das Motiv der Orgelpfeifen eher an musikalische Bezüge denken, so an das mit „Pastorale“ bezeichnete Hirtenlied oder ein instrumentales Tonwerk ländlichen Charakters, am Ehesten aber an die gleichnamige 6. Sinfonie Ludwig van Beethovens, welche die Künstlerin bei einem ihrer Konzertbesuche im mit einer grossen Orgel ausgestatteten Musiksaal des alten Luzerner Konzert- und Kongressgebäudes gehört haben mag. Dass die Orgelpfeifen des Musiksaals reale Vorlage für ein von Troller wiederholt gemaltes Motiv sind, wird bestätigt durch eine Konzert-Eintrittskarte aus dem Nachlass der Künstlerin, auf welcher sich eine Bleistiftskizze der Orgelpfeifen sowie der handschriftliche Vermerk „Orgelskizze“ findet.

Die gemeinhin für Akustisch-Musikalisches vorbehaltenen Wörter des „Tons“ und des „Wohlklangs“ lassen sich hier ohne Probleme für die farbliche und formale Komposition auf Leinwand adaptieren. Auch das einzige Lebewesen im Bild, der weisse Kakadu oder Papagei links im Gebüsch, muss womöglich als „Lautmalerei“ verstanden werden. Ein Vergleich mit anderen Gemälden Josephine Trollers bestätigt die Vermutung, dass die Künstlerin nicht nur ihre Sujets akkurat zusammenstellt, also komponiert, sondern ebenso bewusst mit der Farbe umzugehen und beim Betrachter bestimmte „Resonanzen“ zu evozieren weiss.

Isabel Fluri