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Kanzler Carl Christoph Hoffmann mit seiner Frau Friederike, Fideikommissherr auf Dieskau
  • Anton Graff
  • Kanzler Carl Christoph Hoffmann mit seiner Frau Friederike, Fideikommissherr auf Dieskau, ohne Jahr

  • Öl auf Leinwand
  • 180 x 136 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der Stadt Luzern
  • Inv.-Nr. GH 85.40x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,772
  • Jahr bis: 1,801
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Vom Miniaturporträt bis zum grossformatigen Gruppenbild umfasst Anton Graffs künstlerisches Werk die gesamte Bandbreite des Porträtfachs. Zahlenmässig sind die Gruppenbilder seltener und meist der Abbildung der Familie des Künstlers vorbehalten. Das Doppelbildnis des Kanzlers von Hoffmann mit Ehefrau ist im Monumentalformat solcher Gruppenbilder entstanden.

Carl Christoph Hoffmann ist einfacher Kammerdirektor, als ihn Therese Auguste von Lüders, geborene von Dieskau, heiratet und das Rittergut der Dieskaus auf Hoffmann übergeht. Später wird er an der Universität Halle zum Kanzler berufen und dank seiner Verdienste 1784 in den Adelsstand erhoben. Das Gemälde zeigt ihn mit seiner zweiten Frau Friederike, der jüngeren Schwester von Therese Auguste.

In etwas stereotyper Anordnung, die im Detail dennoch sehr natürlich, fast zärtlich wirkt, blickt der Kanzler lächelnd auf seine an einem runden Tischchen sitzende Ehefrau. Mit einer liebevoll wirkenden Geste umfasst er mit der Linken ihren Stuhl, während er mit seiner rechten Hand erklärend auf etwas hinzuweisen scheint. Das gütig und sympathisch wirkende Gesicht ist sacht durch ein fortgeschrittenes Alter gezeichnet. Falten um Augen, Nase und Mund sowie Altersspuren an Händen und Hals zeugen von Graffs genauer Beobachtung und realistischer Wiedergabe. Ebenfalls lächelnd erwidert die Ehefrau den Blick. Sie ist deutlich jünger als er und – abgesehen von einer etwas spitzen Nase – makellos schön. Das ebenmässige Gesicht ist zart geschminkt, die Haare sind gepudert. Ihre sorgfältig ausgearbeiteten schlanken Hände und Arme führen die durch Unterarm und Hand des Mannes gebildete Diagonale fort und verstärken den Eindruck einer ruhigen Gelassenheit.

Die Frau trägt keinen Schmuck, ist aber in ein kostbares Kleid gehüllt. In der Wiedergabe des glänzenden, silberfarbenen Gewandes mit den türkisfarbenen Schleifen und dem feinen, halb durchsichtigen Schultertuch mit den goldenen und blauen Streifen beweist Graff eine grosse Kunstfertigkeit bezüglich Darstellung der unterschiedlichen Oberflächen von Stoffen. Die Sorgfalt in der Ausführung der Kleidung ist bei ihm übrigens vom vereinbarten Preis abhängig. Gleiches gilt für den gewählten Bildausschnitt.

Bezüglich letzterem irritiert der obere Drittel des grossformatigen Gemäldes, der zunächst gänzlich leer erscheint. Erst bei längerem Betrachten wird ein Blätterdach sichtbar, das beide Gestalten umrahmt, und das sich abwechselnd durch eine dunklere oder eine hellere Tönung vom Hintergrund abhebt. Der Ansiedlung des Bildnisses in freier Natur scheint das aufklärerische Ideal der Natürlichkeit zugrunde zu liegen. In seiner späteren Schaffenszeit ersetzt Graff zunehmend den neutralen Bildhindergrund durch eine Landschaftskulisse und folgt damit englischen Vorbildern wie beispielsweise Thomas Gainsborough. In diesem konkreten Fall dürfte Graff die Situierung in der Natur allerdings noch aus einem weiteren Grund vorgenommen haben: Der porträtierte Carl Christoph von Hoffmann ist der Begründer des bekannten Parks Dieskau. Nach dem Vorbild des in Mode geratenen englischen Landschaftgartens wandelt er das baumlose und sumpfige Gelände vor den Toren der Stadt Halle in einen Park um, der noch heute zum gartenkulturellen Erbe Sachsen-Anhalts zählt.

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