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Bergbach im Gebirge
  • Johann Gottfried Steffan
  • Bergbach im Gebirge, 1882

  • Öl auf Leinwand
  • 110.5 x 81.5 cm
  • signiert unten rechts: "J. G. Steffan 1882/München"
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der BEST Art Collection Luzern
  • Inv.-Nr. M 74x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,882
  • Jahr bis: 1,882
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Wasserfälle und Bergbäche gehören seit Beginn der Landschaftsmalerei zu den beliebtesten Motiven. Sie veranschaulichen die dramatische Macht und Gewalt der Natur, jenem Phänomen, welches die Touristen bei ihrem Besuch in die Alpen erfahren wollen. Steffan, der dieses Motiv als geschäftstüchtiger Maler häufig wählt, malt seine Bäche typischerweise von schweren Felsbrocken flankiert und von wilder Vegetation umgeben, mit einem imposanten Bergpanorama im Hintergrund. Es wäre möglich in diesen Bildern die Lebensfeindlichkeit der Natur zu sehen, wobei die Dramatik und Dynamik hauptsächlich auf die zerklüfteten Felsbrocken zurückzuführen sind, die dem reissenden Wasser teilweise den Weg versperren. Diese Leseart einer „heroischen Landschaft“, wie sie der Tradition entsprechen würde, ist für Steffans Bilder jedoch nicht unbedingt zutreffend. Der Künstler ist Realist, und dementsprechend muss auch das Verständnis seiner Bilder pragmatischer ausfallen: Steffan malt Bäche und Wasserfälle, ohne ihnen eine inhaltlich übersteigerte Bedeutung zu geben.

Das Wasser des "Bergbachs" wird durch eine zerklüftete und steile Felsschlucht kanalisiert. Der Horizont des Mittelgrundes ist relativ hoch angesetzt, wodurch das reissende Fallen des Wassers betont wird. Typisch für Steffan sind die Staffagen auf der Felsplattform im rechten Mittelgrund: ein Hirte mit Ziegen und Kühen. Deren Präsenz lockert die allenfalls als lebenswidrig interpretierte Stimmung der Natur auf. Dafür betonen die Grössenverhältnisse zwischen Hirte und Bach das ungeheure Ausmass dieses reissenden Gewässers. Oberhalb des Baches stehend schaut der Hirte fasziniert in die Fluten hinunter und lädt den Bildbetrachter und die Bildbetrachterin ein, seinem Blick und seiner Begeisterung zu folgen.

Seraina Werthemann