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Aufwärts
  • Hermann Huber
  • Aufwärts, um 1912

  • Öl auf Leinwand
  • 85 x 58.5 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der BEST Art Collection Luzern
  • Inv.-Nr. M 96.6x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,910
  • Jahr bis: 1,915
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Seit dem Aufenthalt in Jerusalem, den Hermann Huber als Gehilfe des Beuroner Malermönchs Willibrord verbringt, findet der Zürcher Maler und Graphiker schrittweise zu grossflächig zusammengefassten, starkfarbigen Kompositionen, worin von Fauvismus und Brücke-Expressionismus empfangene Eindrücke verarbeitet werden. Nach einem Aufenthalt in Rom und in Anticoli besucht Huber den befreundeten Reinhold Kündig im Walliser Dorf Grächen. Dort entstehen expressive Berglandschaften, aber auch zahlreiche hochformatige Waldpassagen. Oft ist der Bildausschnitt, wie im vorliegenden Gemälde, auf ein Stück Waldboden mit herumliegendem Geröll und einige Lärchen und Tannenstämme begrenzt.

Der expressionistisch verallgemeinernde Titel "Aufwärts" entspricht der kompositionellen Betonung der vertikalen Mitte durch den auf eine Anhöhe hinaufführenden Pfad, dessen Ende eine kleine Kiefer markiert. Der Waldweg führt durch ein Felssturzgebiet, wie es in den Alpen oft anzutreffen ist. Durch die geschwungene Pinselführung und die grossflächigen, weichen Formen, wie sie auch im Gemälde "Araberin" (KML M 96.7x) beobachtet werden können, erhalten Felsen und Steine jedoch eine ganz eigentümliche, organische Qualität. Eingebettet in einen glatten Untergrund wirken sie nicht wie tote Materie, sondern erscheinen viel eher als lebende Organismen. Dieser Eindruck wird durch den Komplementärkontrast zwischen dem teilweise kräftigen Blau der Steine und dem pulsierenden Rot-Pink des Wegs verstärkt.

Losgelöst vom blossen Naturabbild erhalten Farben und Formen in diesem Werk des Künstlers vollkommene Eigenwertigkeit. Die flächige Malerei mit ihrer "eigengesetzlichen, gefühlten Farbigkeit" (Angela Köhler) scheint unter anderem inspiriert von Paul Gauguin, dessen Werk er durch den ehemaligen Nabis Willibrord kennen gelernt hat. Näher an die Grenze zum Ungegenständlichen gelangt Huber während seiner ca. 60-jährigen Schaffensphase nie.

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