deutschenglisch
Etoiles filantes (Sternschnuppen)
  • Anton Egloff
  • Etoiles filantes (Sternschnuppen), 1999/2003

  • Konstruktionskarton, schellackiert und geschliffen, mit Hängevorrichtung
  • 7teilig, je ca. 18 x 30 x 450 cm
  • signiert an der Längsseite: "A.E. I / I"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 2004.1w
  • © Anton Egloff
  • Jahr von: 1'999
  • Jahr bis: 2'003
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur

Himmelskörper und Himmelsrichtungen sind als Markierung und Wegzeichen in vielen Arbeiten von Anton Egloff präsent. Sie bilden Anker und Orientierung für die von einem räumlich-kosmischen Denken ausgehenden Werke. Während der Titel „Etoiles Filantes“ – zu Deutsch „Sternschnuppen“ – auf sich bewegende Himmelskörper anspielt, sind stehende Figuren – konkret Sternzeichen des Nord- und Südhimmels – an der Formgebung der langen, kantigen Elemente beteiligt.

Die Verbindungen der Eckpunkte der sternzeichenförmigen Flächen von einem Ende zum anderen bilden die verschiedenartig verlaufenden Einkerbungen der Balken. Bezeichnend für Egloffs Arbeiten sind die Linien, die wie ein Faden von einem Punkt zum anderen führen, die aber auch als ein in der Imagination begehbarer Weg gleich der aufblitzenden Bewegung der Sternschnuppen verstanden werden können. Erst in der Imagination werden Assoziationen an sich bewegende Himmelskörper wachgerufen. Die Zeichnungen, die in diesem Zusammenhang (KML 2004.4y) entstanden sind, weisen aber auf eine weitere Bewegung, die in der Verbindung von zwei Sternzeichen impliziert ist. Der Zusatz im Titel „Passage Süd-Nord“ deutet auf einen Durchgang von Süden nach Norden, ein Weg, der durch die Erdkugel führen und diese durchbohren würde, und deshalb nur imaginär verfolgt werden kann.

Viele Arbeiten Egloffs, der sich seit Beginn seines Schaffens mit dem Raum auseinandersetzt, zeichnen sich dadurch aus, dass sie durch ihre Installation im Raum eine jeweils neue Wirkung entfalten. Die Hängung auf Augenhöhe im Kunstmuseum Luzern verleiht den sieben skulpturalen Elementen einen schwebenden Charakter, der vom Entlanggleiten des Blicks unterstützt wird. Die Objekte scheinen sich von der Fläche der Endpunkte her in den Raum hinaus auszudehnen. Dieser Schwebezustand wird in anderen Anordnungen – etwa auf dem Boden liegend oder schräg an die Wand gelehnt – von anderen Vorstellungen abgelöst, die sich mehr an der Konnotation von Säulen oder Brettern orientieren.

Durch die Einfachheit der Materialien wie Holz und Zink sowie ihren Raumbezug legen die Arbeiten Egloffs Vergleiche mit der italienischen „Arte Povera“ nahe. Allerdings stellt der Künstler seine Werke in einen anderen Kontext. Die „Etoiles Filantes“ sehen zwar aus, als wären sie aus naturbelassenem Holz, sind aber aus Karton gefaltete und lackierte skulpturale Objekte. Die Elemente erhalten ihren imaginären Kontext nicht allein durch das Material selbst, sondern durch das räumliche Umfeld und den Titel.

Annamira Jochim