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Selbstbild als Selbstbild haltender Löwe
  • Dieter Roth
  • Selbstbild als Selbstbild haltender Löwe, 1975

  • Flachdruck (Stein) auf Büttenpapier chamois, 2. Auflage: 12/25, (2. Zustand der Druckform)
  • 106.3 x 78 cm
  • signiert und datiert unten links: "Dieter Roth 1975", bezeichnet: "DIETER ROTH SELBSTBILD ALS SELBSTBILD HALTENDER LÖWE"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 82.19z
  • © Estate of Dieter Roth
  • Jahr von: 1,975
  • Jahr bis: 1,975
Description
Provenance
Bibliography
Other

Dieter Roths Druckgrafik "Selbstbild als Selbstbild haltender Löwe" (gedruckt bei Karl Schulz, Braunschweig) reiht sich ein in eine ganze Gruppe ähnlicher Werke, die vom Künstler ebenfalls mit "Selbstbild(nis) als" und irgendeinem langen kuriosen Zusatz bezeichnet sind. Insbesondere ab 1969 bis Mitte der 70er Jahre entstanden Materialbilder und –objekte, eine Serie von in altmeisterlicher Technik gemalten "Selbstbildnissen", auf denen meist gemalte Silhouetten-Schablonen zu sehen sind, sowie zahlreiche Siebdrucke und Bleistiftzeichnungen.

Die eigenwillige Betitelung der Werke sowie der Umstand, dass die skurrilen Titel auf den Blättern selbst auftauchen, lenkt die Aufmerksamkeit auf die Diskrepanz zwischen schriftlicher Bezeichnung und bildnerischem Motiv. Die Erwartungshaltung des Kunstbetrachters bezüglich der Gattung Porträt unterlaufend, gestaltet Roth sein "Selbst" entweder als abstrakte, meist mehr oder weniger auf die Blattmitte hin sich verdichtende Schraffur oder – in den Drucken – als übermalte oder ergänzte Silhouettenfigur auf querformatigen Blättern. Aus der supponierten Willkürlichkeit der Beziehung zwischen schriftlichem Zeichen und Bezeichnetem zieht Roth die logische Konsequenz, dass "jedes alles bedeuten" (Dieter Roth, Mundunculum, 1967), sein Selbst mithin in Form von Löwe, Tiger, Salat, Hundehauf, Herbstkartoffel oder "Niemand" zur Darstellung kommen kann.

Gleichwohl sind die Bezeichnungen nicht ohne jede Bedeutung: Der im vorliegenden Blatt titelgebende Löwe ist zwar nicht zu erkennen, hat aber dennoch mehrfachen Bezug zum hier sein "Selbst" darstellenden Künstler Roth – und nicht zuletzt auch zur Stadt Luzern: Im Jahre 1971 führen die Luzerner Goldschmiede "Langenbacher und Wankmiller" unter anderem Roths Schmuckentwürfe für die vier "Löwenringe" mit dem Motiv des Luzerner Löwendenkmals aus. Auch taucht die Figur des Löwen als Alter Ego des Künstlers in dessen Werk verschiedentlich auf, und zugleich ist der Löwe ein Verweis auf die im Sternzeichen des Löwen geborene US-amerikanische Künstlerin Dorothy Iannone, damalige Freundin Roths und von ihm mitunter "my lioness" genannt.

Isabel Fluri