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Baumgruppe
  • Niklaus Pfyffer von Altishofen
  • Baumgruppe, 1893

  • Öl auf Leinwand
  • 85.5 x 120 cm
  • signiert unten links: "Nikl. Pfyffer"; signiert und bezeichnet verso: "Nikl. Pfyffer v Altishofen/in. u. von Luzern.1893"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. C 17x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'893
  • Jahr bis: 1'893
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
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Das 1893 geschaffene, grossformatige Gemälde mit dem Titel „Baumgruppe“ gelangte fünf Jahre nach dessen Entstehung mit der Unterstützung von Bundessubventionen in die Sammlung des Kunstmuseums Luzern.

Zentraler Gegenstand der in einer flüchtigen, partiell pastosen Malweise ausgeführten Komposition bildet eine in nuancierten Grün- und Brauntönen gehaltene Gruppe von knorrigen Eichen, welche sich in einem Weiher schemenhaft spiegeln. Die zu einer Einheit zusammengeschlossenen Bäume heben sich von einem zwei Drittel der Bildfläche einnehmenden, mit aufziehenden Gewitterwolken durchzogenen Himmel ab. Unter der mächtigsten Eichenkrone lassen sich, allerdings erst auf den zweiten Blick, ein bäuerlich gekleidetes Paar an einer Feuerstelle und etwas abseits von ihnen weidende Tiere erkennen, die nicht als eigentliche Handlungsträger, sondern als Staffage fungieren, wodurch der wiedergegebenen Landschaft mehr Gewicht verliehen wird.

Innerhalb Pfyffers malerischem Schaffen gilt die unspektakuläre Baumgruppe am Ufer eines stillen Gewässers als untypisches Sujet. Die seit Beginn des 19. Jahrhunderts sich zunehmend in Luzern aufhaltenden, Kunst liebhabenden Gäste aus dem Ausland, welche die überwiegende Mehrheit von Pfyffers Klientel ausmachen, verlangen nach eindrucksvollen (Erinnerungs-)Bildern des Vierwaldstättersees mit den für die Region charakteristischen Gebirgsformationen der Innerschweizer Alpen wie des Pilatus’ oder der Rigi. Es ist anzunehmen – nicht nur des aus touristischer Perspektive uninteressanten Motivs, sondern auch des gross gewählten Formats wegen –, dass Pfyffer das Landschaftsgemälde als Ausstellungsstück anfertigte, um einer breiteren Öffentlichkeit sein künstlerisches Können vorzuführen.

Im Gegensatz zu den bei den Touristen beliebten Ansichten handelt es sich bei der „Baumgruppe“ nicht um die Beschreibung einer topographischen Gegebenheit – der wenig ausdifferenzierte Bergkamm im Bildhintergrund erlaubt beispielsweise keine explizite geographische Vorortung –, sondern um die Schilderung einer bestimmten Atmosphäre. Die heranziehenden, Regen bringenden Wolken, die punktuell an jene in Alexandre Calames heroisch überhöhten Alpendarstellungen erinnern, tragen, nebst der räumlichen Tiefe, zwar zur Belebung, jedoch nicht zur Dramatisierung des Landschaftsausschnittes bei. Aufgrund der süsslichen Behandlung des Lichtes wird das Extrem des Effekvoll-Gewitterhaften vermieden. Pfyffer zeigt dem Betrachter die Natur nicht in ihrer unberechenbaren Wildheit und Kraft, sondern in ihrer unaufgeregten Beschaulichkeit.

Cathrine Fassbind