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Mittagsmahl auf dem Felde
  • Rudolf Koller
  • Mittagsmahl auf dem Felde, 1869

  • Öl auf Leinwand
  • 133 x 196 cm
  • signiert und datiert unten rechts: "Koller. 1869. Zürich e Rom"
  • Kunstmuseum Luzern, Eigentum der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Gottfried Keller-Stiftung, Bern
  • Inv.-Nr. E 61x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'869
  • Jahr bis: 1'869
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
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Das grossformatige Ölgemälde ist ein Repräsentationsbild, das Koller für eine Ausstellung in Wien angefertigt hat. Dort soll es für 3500 Silbergulden verkauft werden, oder "im Falle des Nichtverkaufs" an die Absenderadresse zurückgeschickt werden, wie Koller auf der Rückseite notiert. Der Maler hat das Bild in Zürich begonnen, lässt es sich aber vom Vater nach Rom nachschicken. Eine Italienreise hat ihn in die Stadt geführt, die noch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein als die Kunstmetropole schlechthin gilt. Unter dem lebhaften Eindruck, die die künstlerische und landschaftliche Umgebung auf ihn macht, beendet er das Gemälde.

Zu sehen ist eine weite, offene Landschaft mit einem tief angesetzten, geraden Horizont. Unter einem Schwarm von Krähen zieht sich ein frisch aufgeworfener Acker diagonal in die Tiefe. Die linke Bildhälfte wird dominiert durch ein Tierarrangement, bestehend aus zwei Ochsen und einem Pferd. Das Nutzvieh ist von der Pflugschar ausgespannt und gönnt sich einen Moment der Rast. Auf der rechten Seite lagert eine Bauersfamilie, die soeben ein einfaches Mittagsmahl zu sich nimmt. Die Mutter, die das Essen in einem Korb auf das Feld gebracht hat, bleibt, wohl einer harmonischen Bildkomposition zuliebe, mit einem Löffel in der Hand stehen.

Das Gemälde ist sowohl in kompositioneller, wie auch in inhaltlicher Hinsicht klar durchstrukturiert. Es behandelt das Thema um Arbeit und Ruhe. Das Feld ist anschaulich in zwei Seiten geteilt, in eine beackerte und in eine karge. Die Mittagsruhe, die sowohl den Menschen als auch den Tieren zusteht, markiert die Hälfte des Arbeitstages. Zu diesem Zeitpunkt, wo sich die Sonne im Zenit befindet, scheint alles einen Moment lang stillzustehen. Ein helles, milchiges Licht verbreitet sich über das Feld und hüllt die unterschiedlichen Gestalten ein. Es kreiert Lichtränder um Köpfe und Schultern der Menschen und wirkt fast als Aureole. Der biblische Charakter wird durch die andächtige, in sich gekehrte Ruhe verstärkt, die von den Menschen, aber auch von den drei Tieren ausgeht. Christliche Themen wie jenes von der Ruhe auf der Flucht glaubt man hier gleichsam säkularisiert wieder zu finden.

Das Bild gibt ein einfaches Motiv aus der Heimat des Malers wieder, wird aber – vielleicht unter dem Eindruck Roms – zur Ideallandschaft umgestaltet und monumentalisiert. Hinsichtlich Lichtführung und Farbwahl hat Koller durch Ausflüge in die römische Campagna, aber auch durch das Studium alter Meister wie Claude Lorrain Anregungen empfangen, die zu einer gesteigerten künstlerischen Produktivität nach der Rückkehr führen. In einem Gemälde aus dem gleichen Jahr hat Koller dieselbe Menschengruppe ein zweites Mal dargestellt. Von der Frauenfigur existiert ausserdem eine Bleistiftskizze, wo Hüfte, Arme und Hände zusammen mit dem nach unten gerichteten Schöpflöffel detailliert ausgearbeitet sind. Dies zeigt, wie Koller das vorliegende Gemälde bis ins kleinste Detail geplant und vorbereitet hat.

Regine Fluor-Bürgi