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L'avenue du Bois de Boulogne
  • Raoul Dufy
  • L'avenue du Bois de Boulogne, um 1928

  • Öl auf Leinwand
  • 60 x 73.5 cm
  • signiert unten Mitte, mit grüner Farbe: "Raoul Dufy"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 364x
  • © 2005, ProLitteris, Zurich
  • Jahr von: 1,925
  • Jahr bis: 1,930
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

1928-1929 malt Dufy eine ganze Serie von Bildern des Bois de Boulogne in Paris, wo Pferderennen veranstaltet werden, Amateurreiter ihre Pferde ausführen, die Pariser sich bei Spiel und Musse erholen und unterhalten, eine ideale Szenerie also, Menschen entspannt und fröhlich, das Leben von seiner farbenfrohen und liebenswürdigen Seite zu zeigen. Zeitlebens bevorzugt Dufy solche Themen, die seiner Vorliebe für das Ornamentale, auch für das Dekorative entgegenkommen, seinem Interesse an beinahe musikalisch klingenden Farbkompositionen.

In der Zeit, wo auch unser Bild entsteht, hat Dufy bereits zu dem heiter-beschwingten Stil gefunden, den er bis zu seinem Tod kaum wesentlich verändern wird. Zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn, nach einer kurzen impressionistischen Periode, beeindruckt ihn 1905 „Luxe, calme et volupté“, ein Bild von Matisse, so sehr, dass er sich den Fauves anschliesst. Bald beschäftigt er sich, wie auch andere fauvistische Maler, mit Cézannes Spätwerk. Unter diesem Einfluss und der Auseinandersetzung mit Braques kubistischen Vorstellungen vereinfacht sich die formale Durchgestaltung der Motive.

Um 1912 beginnt er – zuerst für seinen Lebensunterhalt – Stoffmuster zu entwerfen. Diese direkte Beschäftigung mit der Farbe wirkt sich auch in seinen Bildern aus, er behält zwar die intensiven reinen Töne der Fauves-Zeit, aber diese werden immer stärker in grösseren Flächen zusammengefasst und fast lasierend und aquarellierend aufgetragen, mit kontrastierenden Kontur- und Binnenlinien. Die Zeichnung bildet eine gegenständliche „Fassung“ einer ungegenständlichen Farbklang-Komposition. Doch Dufy will bewusst nie abstrakte Bilder malen, er setzt konkrete Sinneserfahrungen um, sei es in den Bildern oder den Stoffentwürfen. Gerade diese sehr flächige und mit illustrativen, lockeren Linien aufgebaute, oft normale Malweise – Nähe und Einfluss von Matisse sind offensichtlich, jedoch nie als Abhängigkeit zu sehen – wird nun in Dufys Werk lange Zeit negativ bewertet, als zu leicht befunden.

Was im Konstruktivismus von der Kritik als besonders spannend angesehen wird, diese bewusste Gleichstellung und gegenseitige Einflussnahme von Design und Bildkunst, wird für Dufys Arbeit erst in Amerika positiv aufgenommen. Wie auch im Spätwerk von Matisse schätzt eine junge amerikanische Künstlergeneration Grosszügigkeit und Konsequenz des Dekorativen und Ornamentalen und lässt sich sehr direkt von diesen beiden europäischen Altmeistern beeinflussen.

Martin Kunz (Slg.-Kat., Kunstmuseum Luzern, 1983)