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Die Angst
  • Max von Moos
  • Die Angst, 1963

  • Öl und Tempera auf Hartfaserplatte
  • 109.5 x 300 cm
  • signiert und datiert unten links: "M. v. M. 63"
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der Stadt Luzern
  • Inv.-Nr. GH 83.11x
  • © Peter Thali, Luzern
  • Jahr von: 1,963
  • Jahr bis: 1,963
Description
Provenance
Exhibition History
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Other

Auf dem rund drei Meter langen und knapp einem Meter hohen Bild breitet sich ein mächtiges, Angst einflössendes Monster mit stumpfem Kopf und sechs stämmigen Beinen aus, von denen zwei zu krallenartigen Händen ausgebildet sind. Es ist im Begriff, eine an ein menschliches Wesen erinnernde Gestalt mit langem Hals und echsenartigem kleinem Kopf zu attackieren. Weiter ist sie mit dicken Oberschenkeln und einem Brustpanzer versehen, der einen Teil des Leibes ungeschützt lässt. Aus Angst angegriffen zu werden, lehnt sich die kleine auf den Knien sitzende Figur zurück und stützt sich mit den Armen auf dem Boden auf. Wer ist wem unterlegen? Wer hat Angst vor wem? Ist es ein Kampf zwischen dem Unbewussten und dem Bewussten? Die Fragen bleiben deshalb ungeklärt, weil der Künstler die beiden Dargestellten im entscheidenden Moment des Schrecklichen zu versteinerten Wesen macht.
Traurige Wahrheiten schön zu malen ist ein Hauptanliegen der Malerei von Max von Moos. (Sammlungskatalog Kunstmuseum Luzern, 1983) Gekonnt malt er Schönes aus schrecklichen, von Angst erfüllten und grauenhaften Bildern. Dies fällt vor allem in der Behandlung der Oberflächen auf, indem er mit der obersten Malschicht einen raffinierten Verwitterungseffekt vortäuscht, wie er sonst an alten Fresken zu sehen ist. Er entrückt seine Bilder auf diese Weise in eine andere Zeit und spielt zugleich auf den "Substanzverlust in der Kunst der letzten hundert Jahre an", den er gemäss seinen eigenen Worten ganz deutlich zu spüren bekommen hat und bekennt, dass er selbst "diese Krankheitssymptome des Verfalls aufweise". Für ihn war Eugène Delacroix der letzte Olympier unter den Malern: "Er war Heide und Christ, er beherrschte das Monumentale wie das Staffeleibild, er kannte Europa, Asien und die Antike – alles kam bei ihm vor, in alles arbeitete er sich ein." (Gespräch mit Alfred A. Häsler, 1976)

Die "Angst" zählt zu denjenigen Werken, in denen Max von Moos, der oft als Pessimist und Moralist bezeichnet wird, den Krieg und die Schrecken seiner Zeit thematisiert und den von Bedrohung umgebenen und von Angst gequälten Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Cornelia Ackermann