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Achtzehnterjunineunzehnhundertneunzig
  • Ugo Rondinone
  • Achtzehnterjunineunzehnhundertneunzig, 1990

  • Tusche auf Papier
  • 160 x 243 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 91.14y
  • © Ugo Rondinone
  • Jahr von: 1'990
  • Jahr bis: 1'990
Werkbeschrieb
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Die monumentalen Tuschezeichnungen von 1.80 x 2.60 Metern Grösse gehören zu den frühesten Arbeiten in Ugo Rondinones Werk. Mit schnellem Pinselstrich bringt er idyllisch anmutende Landschaften in altmeisterlicher Manier aufs Papier, die vereinzelt Spuren ehemaliger Zivilisation preisgeben: Ein verlassenes Haus, ein Weg oder eine Brücke. Die mannshohen Dimensionen dieser Darstellungen lassen den Betrachter ins Bild versinken und vermeintlich Teil der Idylle werden – Teil der idealisierten Welt, nach der er sich gesehnt haben mag.

Mittels der historisch geprägten Darstellung von idealisierter Landschaft spielt Rondinone mit der seit der bukolischen Dichtung überlieferten Sehnsucht nach Glück und Vollkommenheit, nach Einklang und Geborgenheit. Die Idylle vermittelt ein ideales Dasein, das die geistige Flucht aus der Wirklichkeit ermöglichen soll. Doch bleibt sie ein aus Versatzstücken der Natur zusammengesetzter konstruierter Raum, eine Art Parallelrealität.

Dass die Sehnsucht nach der Idylle immer eng an die sich klar von dieser abhebenden Wirklichkeit gekoppelt ist, macht Rondinone mit seiner Arbeit deutlich. Wenn der Betrachter, angezogen von der idealisierten Welt, sich der Zeichnung nähert, nimmt die Reise in die Entrücktheit bald ein Ende. Aus der Nähe betrachtet zerfällt die Landschaft in ein loses Gefüge von Pinselstrichen, sie verwandelt sich in ein undurchdringbares Dickicht, in dem man sich zu verlieren droht. Bedingt durch diese wilde Strukturierung ist das Gemälde folglich aus Distanz zu betrachten. Der Betrachter muss sich von der Zeichnung entfernen, um die Konturen einer Landschaft ausmachen zu können. Einblick in die Idylle erlangt er nur von Weit.

Verstärkt wird dieser vermeintliche Verlust der idealisierten Welt durch die Titel, die Rondinone seinen Arbeiten verleiht. Die Tuschezeichnungen werden mit einem Datum in ausgeschriebener Form versehen. Die Datierung verankert die Darstellung mit dem vorgeblichen Moment der Herstellung. Die sonst von Zeit und Ort entrückte, bukolische Landschaft verliert auf diese Weise ihren historischen Hintergrund und damit ihren Wert des Klassischen Ideals. Wie der Titel verrät, verweisen die drei Tafeln auf drei Tage im Sommer des Jahres 1990, die in ihrer Art nicht wiederholbar sind und das Glück jener Zeit regelrecht vor uns verschliessen.

Ugo Rondinones Tuschelandschaften generieren ein Gefühl von Verlassenheit, Verlust und Ausgegrenztheit und nehmen damit eine Grundkonstante in dessen Gesamtwerk vorweg. Die Möglichkeit auf eine momentane Flucht in die Idylle durch Rekurs auf die idealisierte Landschaftsdarstellung hat sich als Täuschung erwiesen – der Betrachter bleibt in seiner Realität allein zurück.

Fabienne Sutter