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Ohne Titel
  • Josephine Troller
  • Ohne Titel, 1945

  • Aquarell auf Papier, montiert auf weisses Papier, montiert auf blaues Papier
  • 32.6 x 24 cm
  • signiert unten links, mit Kugelschreiber, übermalt: "Jo Troller"; signiert und datiert, unten links, mit Kugelschreiber, schwarz: "45 Jo"; signiert, unten rechts, mit Kugelschreiber, schwarz: "J? Troller"; hinten, datiert, unten links, mit Bleistift: "13.8.45"; datiert, unten rechts, mit Bleistift: "27.7.45"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 271y
  • © Nachlass Josephine Troller
  • Jahr von: 1'945
  • Jahr bis: 1'945
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
Weiteres

Das unbetitelte Aquarell ist eines der frühesten Blätter der Luzerner Künstlerin. Die Arbeit gehört zu einer Gruppe von vier anlässlich der ersten Einzelausstellung im Kunstmuseum erworbenen zeichnerischen Arbeiten aus dem Frühwerk Trollers. Bei aller Verschiedenheit der Blätter finden sich in mehreren Werken ähnliche Figuren, namentlich die der Schlange oder der Spirale.

Im Jahre 1945 beginnt Troller mit dem Zeichnen und Malen und findet sogleich zu einer eigenständigen künstlerischen Ausdrucksweise. Die hochformatige Zeichnung, wie die meisten frühen Arbeiten abstrakt-flächig, präsentiert ein ornamental ausgestaltetes Gebilde vor lasierend-blauschwarz koloriertem Hintergrund. Der „Kern“ des Objekts ist ein mandel- oder muschelförmiger Körper. Um ihn herum schmiegen sich zwei mit Wellenornamenten und sich wiederholenden Formen verzierte bunte „Bänder“.

Das Blatt ist montiert auf zwei weitere Blätter: Das Motiv der Rahmung, in vorliegender Zeichnung in den mäandrierenden Linien der Bogenform angedeutet und in veränderter Form in fast allen, auch späteren Arbeiten Trollers zu finden, wird hier über den eigentlichen Bildträger hinaus fortgesetzt.

Augenfällig ist in der vorliegenden Arbeit die Dominanz des Ornamentalen, der kurvilinearen Musterung. Wie ein Blick auf viele andere Werke zeigt, ist das Verwenden von „Typen“ oder „Mustern“ für Josephine Troller eine wesentliche künstlerische Technik. Die Künstlerin ist als gelernte Modistin mit der Arbeit mit „Patterns“ gewiss vertraut und sucht dieses Vorgehen offenkundig für ihre Zeichnungen und Gemälde zu adaptieren.

Trotz ihres ornamentalen Charakters – die durch Schlangenlinien strukturierten Farbbänder und die Wiederholung der einzelnen Motive – birgt jedoch die vorliegende Zeichnung auch einen symbolischen Gehalt. Die Schlange, Sinnbild der weiblichen List und, allgemeiner, des biblischen Sündenfalls, zeigt sich zeichenhaft in den kleinen Farbfeldern, aber auch als Farbband selber wird das Schlangenmotiv wiederholt. Wie in der bis zum Äussersten gesteigerten Ornamentik des Rokoko, wo ganze Gegenstände vom Ornament her geformt sind, scheint auch Josephine Trollers Bildmotiv nicht nur ein bloss abstraktes Objekt, sondern selber eine eingerollte bunte Schleife oder Schlange zu sein, deren Körper wiederum das Schlangen-„Symbol“ in vielfältiger Weise trägt.

Isabel Fluri