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Enthauptung des Johannes des Täufers
  • Franz Ludwig Raufft
  • Enthauptung des Johannes des Täufers, ohne Jahr

  • Öl auf Leinwand
  • 220 x 141.5 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum des Kantons Luzern
  • Inv.-Nr. F 94.5x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'680
  • Jahr bis: 1'740
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
Weiteres

Die "Enthauptung des Johannes des Täufers" gilt als eines der Hauptwerke des Luzerner Malers Franz Ludwig Raufft. Wenn das Gemälde auch nicht datiert ist, ist anzunehmen, dass Raufft es nach der Rückkehr aus Italien gegen Ende des 17. Jahrhunderts gemalt hat. Wohl aus Dankbarkeit für die finanzielle Unterstützung seiner Malerausbildung in Rom, schenkt der Künstler dieses dem Rat der Luzerner Stadt, der es im Sitzungssaal des Rathauses aufhängt.

Wie der Titel verrät, handelt es sich bei der Darstellung um die Enthauptung des Johannes, doch weicht sie in ihrer Komposition von der gewohnten Ikonographie ab. Der Henker hat sein Schwert gezogen. Der reglose Körper des Johannes liegt auf dem Boden, das noch warme Blut spritzt aus dessen Hals. Den abgeschlagenen Kopf hält der Schlächter an den Haaren in die Höhe, so dass dieser kompositorisch an höchster Stelle zu stehen kommt und die weiteren Figuren im Bild überragt. Das Gesicht des Johannes ist dem Betrachter frontal zugewandt. In seinen sanften Zügen erinnert es an die Vera Icon und damit an das Abbild Christi. Diese Positionierung ist ungewöhnlich in der Tradition der Johannesdarstellung. Sie verweist vielmehr auf Vorbilder aus der Italienischen Renaissance wie Cellinis Enthauptung der Medusa oder Caravaggios David und Goliath. Ebenso ungewöhnlich ist die symbolische Aufladung mit Bezugnahme auf die Passion Christi. Wie in einer Erscheinung wird auf diese Weise die Vorreiterrolle des Johannes als Märtyrer vorweggenommen. Als erster Prophet der Erlösung kommt dem Enthaupteten eine überirdische Wirkung zuteil, die den Figuren im Bild nicht entgeht. Der Henker richtet sich dem erhobenen Haupt zu. Wenn sein Gesicht auch im Schatten bleibt, so lässt seine Kopfhaltung dennoch Ehrfurcht erkennen.

Rechts vom toten Körper des Johannes kniet ein Mann, der ebenso ehrfürchtig zu dessen abgeschlagenen Haupt aufschaut. Er hält den goldenen Teller vor sich, auf den gemäss der Erzählung der Kopf gelegt wird. Die schöne Salome ihrerseits zeigt sich vom Vorfall unberührt. Mit überaus freundlichem Gesicht blickt sie dem Betrachter entgegen. Sie steht hinter dem Knienden und umfasst ihn mit ihrer linken Hand an der Schulter. Mit der rechten zeigt sie auf das Geschehen im Bild. Die liebliche Figur ist allerdings nur schwer mit der Person der hinterlistigen Salome in Verbindung zu bringen. Vielmehr lässt sie an eine Patronin denken, die sich um das Wohl ihres Schützlings sorgt.

Mit einer markanten Lichtführung lenkt Raufft die Aufmerksamkeit des Betrachters auf Salome und den knienden Mann. Die Art und Weise wie er die beiden zueinander positioniert, lässt sich allerdings nicht mit der Johannespassion erklären. Neben der biblischen Darstellung ist deshalb eine weitere Bedeutungsebene im Gemälde zu vermuten: Es kann angenommen werden, dass es sich beim knienden Mann um ein verstecktes Selbstporträt des Künstlers handelt. Salome lässt ihn in ihrer Gestik und Haltung optisch in den Vordergrund treten. Wie eine Muse empfiehlt sie den Maler dem Rat. Beweis für sein Talent liefert dieser mit seinem raffiniert konstruierten Gemälde gleich selber. Die Darstellung verweist auf sein Können und im Rückgriff auf Vorbilder aus der italienischen Kunst insbesondere auch auf die im Studium in Rom erlangten Kenntnisse. Franz Ludwig Raufft schafft sich auf diese Weise ein würdiges Denkmal in seiner Vaterstadt.

Fabienne Sutter