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Zwei Batterieblöcke mit Braunkreuzen
  • Joseph Beuys
  • Zwei Batterieblöcke mit Braunkreuzen, 1957/1960

  • Bleistift und Gouache auf Papier
  • 14.5 x 16.3 cm
  • signiert verso, oben Mitte: "Beuys"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 634y
  • © 2005, ProLitteris, Zurich
  • Jahr von: 1,957
  • Jahr bis: 1,960
Description
Provenance
Exhibition History
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Other

Das annähernd quadratische Papierblatt ist durch ein zartes, durchscheinendes und offenes Liniengefüge unterteilt: Zwei rechteckige, zum unteren Bildrand hin offene Felder sind durch eine Schichtung horizontaler Linien strukturiert. In der Mitte der oberen Rahmenlinie ist je eine kleine Erhebung eingezeichnet. Sehr zart gezeichnete, fast unsichtbare Elemente umfassen die beiden Felder: zu beiden Seiten schraffierte Balken, dahinter wieder ein Gerüst aus gereihten vertikalen Linien. Das obere Viertel des Blattes ist leer. Die beiden Braunkreuze in der Mitte der vorderen Felder wurden 1960, drei Jahre nach der Bleistiftzeichnung, mit Gouache aufgetragen.

Nach der Krise der Jahre 1955 bis 1957, in welcher Beuys zu neuen Formen und Mitteln seines plastischen Gestaltens gelangt, besteht ein dichtes wechselseitiges Verhältnis zwischen Plastik, Aktion und Zeichnung. Die verschiedenen Medien dienen der Veranschaulichung seiner Leitgedanken und sind dadurch in einem kontinuierlichen Prozess miteinander verknüpft. So ist auch die spätere Hinzufügung der zwei Braunkreuze als fokussierende Ergänzung zu verstehen. Wie für die frühen Zeichnungen charakteristisch geht auch in diesem Fall das hier Dargestellte der plastischen Umsetzung um Jahre voraus.

Diese Zeichnung veranschaulicht in radikaler Weise, das heisst mit äusserst reduzierten gestalterischen Mitteln die Idee der Energiespeicherung. Die Darstellung mutet wie eine Forschungsskizze an, in der Beuys der Präsenz von Energie nachspürt: im Verhältnis von Bleistiftlinien und Pinselstrichen, im Kontrast zwischen der fast verschwindenden Skizze und der deckenden, beinahe plastischen Braunfarbe.

Beuys bezeichnet die Linienschichtungen als Batterieblöcke, also als Energiespeicher. Wie die mit einer Kupferplatte gedeckten Filzstapel in der Plastik "Fond III", 1969 oder die geschnürten Zeitungsbündel für die Plastik "Szene aus der Hirschjagd", 1961 zeigen, ist für Beuys das Bewahren der beim Aufschichten entstandenen Energie möglich, wenn das Material eingefasst wird. In der Zeichnung sind die Schichtungen nicht nur von einer Bleistiftlinie und weiteren gezeichneten Elementen umfasst, sondern durch die in deckender Braunfarbe gepinselten Kreuze gleichsam besiegelt. Das Kreuz im Allgemeinen und ab 1960 das Braunkreuz im Besonderen ist eines der wichtigsten Symbole von Beuys. Unter Einbezug der christlichen Symbolik, bei der das Kreuz auf Opfertod und Auferstehung Christi und damit auf die Überwindung des Todes mit dem Übertritt in eine geistige Existenzform verweist, wendet Beuys das Kreuz als Symbol für die Transsubstantiation von Materie an. Es ist auch ein bestätigendes Zeichen, das das Wirken wandelnder Kräfte sowie dasjenige des Künstlers markiert.

Martina Papiro