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Jungfraublick von Interlaken aus
  • Niklaus König
  • Jungfraublick von Interlaken aus, ohne Jahr

  • Öl auf Kupfer
  • 41 x 54.5 cm
  • signiert und bezeichnet verso: "N.K. (in Zierschrift)/Vue du Village d' Interlachen et du Jungfrau dans le/Canton den Berne./Peint par König (de Berne)"
  • Kunstmuseum Luzern, Eigentum der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Gottfried Keller-Stiftung, Bern
  • Inv.-Nr. E 64x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,805
  • Jahr bis: 1,810
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Vom Ölgemälde des Jungfraumassivs sind keine Datumsangaben bekannt. Ein Aquarell, das praktisch vom gleichen Ort aus gemalt ist, entsteht um 1807. Zu sehen ist im Ölgemälde unten im Bild die Aare, dahinter ist das Schloss Interlaken mit Schlosskirche zu erkennen. Es muss Morgen sein, da das Licht von links, also von Osten einfällt. Hinter der Ortschaft, über der noch leichter Schatten schwebt, öffnet sich das Lauterbrunnental, das den Blick auf die schneebedeckte Jungfrau frei gibt, die schon in strahlendem Licht steht. Auf der Aare befindet sich ein Ruderboot. Kühe, Ziegen und Flötenspieler schaffen eine bukolische Atmosphäre.

Besonders bei den Touristen, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vermehrt beginnen, in die Alpen zu reisen, sind Motive einer harmonischen Welt sehr beliebt. Vorherrschend ist die Vorstellung eines „arkadischen“ oder „pastoralen“ Gebiets, in die das „Volk der Hirten“ gehört. Gegenüber der Verderbtheit und der Raffinesse der Städte scheinen die Alpenbewohner im Stand der Unschuld und der psychischen und physischen Robustheit zu sein. Massgeblich beteiligt an diesem Kult der Bergwelt ist etwa Jean-Jacques Rousseau, der mit seiner Beschreibung eines Aufstiegs in den Alpen von 1762 („La Nouvelle Héloïse“, Buch I, Kap. XXIII) das Muster für das Entfliehen aus den Niederungen der Leidenschaften in die reinen ätherischen Höhen gibt. Neben dem Harmonischen Aspekt der Bergwelt, sind die Touristen in zunehmenden Mass auch von deren rauen Seite fasziniert. Insbesondere durch die Schrift von Edmund Burke von 1757 über das Schöne und das Erhabene („A Philosophical Enquiry into the Origin of Our Ideas of the Sublime and the Beautiful“), wurde das Interesse für Bereiche wie die Bergwelt geweckt, die durch übermächtige Grösse visuelle Schrecken erregen. In den Gemälden von König überwiegt jedoch meist der Aspekt des Schönen, des kleinmeisterlich Idyllischen. Die sublime Rohheit und Urtümlichkeit der Natur spielt bei ihm eine weit geringere Rolle als etwa bei anderen Alpenmalern, wie Caspar Wolf, Anton Koch, oder später Alexander Calame.

Benjamin Altorfer