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Stilleben mit grüner Vase
  • René Auberjonois
  • Stilleben mit grüner Vase, um 1922

  • Öl auf Leinwand
  • 75.5 x 55 cm
  • signiert oben rechts, mit schwarzer Ölfarbe: „René A.“, und unten links (übermalt): „RA“
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 339x
  • © 2006, ProLitteris, Zurich
  • Jahr von: 1'920
  • Jahr bis: 1'925
Werkbeschrieb
Provenienz
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Literatur
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René Auberjonois hat sich immer wieder mit verschiedenen Strömungen der zeitgenössischen Kunst auseinandergesetzt, ohne sich jedoch einer bestimmten Schule oder Bewegung anzuschliessen. Seine Beschäftigung mit dem Pointillismus und den Nabis ist in den Bildern, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Paris entstanden sind, sichtbar. Ab 1912 wird für seine Arbeit die Auseinandersetzung mit Cézannes Konstruktion und mit Picassos und Braques frühkubistischer Abstraktion bestimmend. Zwar lehnt Auberjonois das zergliedernde und schliesslich zur Abstraktion führende Verfahren der Kubisten vehement ab und hält an der Gegenständlichkeit seiner Bilder fest; die Auseinandersetzung mit diesen Malern führt ihn jedoch zu einer Vereinfachung des Bildgegenstandes und zu streng gegliederten Kompositionen, die oft nur aus wenigen gebrochenen Farbtönen bestehen.

Sein Werk ist von der Bemühung um ein vollkommenes Gleichgewicht der Komposition geprägt – dies gilt insbesondere für das "Stillleben mit grüner Vase", in dem jegliche Spontaneität hinter dem Gestaltungswillen des Künstlers zurücktritt: Der in der linken Bildhälfte stehenden grünen Vase antwortet am rechten Bildrand ein schwerer, violetter Vorhang. Die Anordnung der Blumen gehorcht einer Symmetrie, die weniger den dargestellten Gegenstand als vielmehr die Beziehungen der einzelnen Blumen zueinander und zu ihrer Umgebung in den Vordergrund rückt. Die Komposition wird durch dominierende Vertikalen und Diagonalen zusammengehalten. Wie Cézanne verzichtet Auberjonois auf einen einheitlichen Fluchtpunkt und zeigt die einzelnen Bildgegenstände aus unterschiedlichen Perspektiven. Die realen Gegebenheiten werden einer bildimmanenten Logik unterworfen, die einzelne Motive hervorhebt und einer grösseren formalen Spannung und einem spezifischen Bildrhythmus dient.

Was Auberjonois im strengen Aufbau des Bildes voneinander trennt, wird durch einen gekonnten und durchdachten Einsatz der Farbe wieder vereint: Die grüne Vase und die roten Blumen spiegeln sich im Violett des Vorhangs; die Dunkelheit des Stoffs wiederum ist an der Rückseite der Vase und an den Wänden des Raumes sichtbar. Die Farben durchdringen sich, reflektieren sich gegenseitig und gehen ineinander über.

René Auberjonois war ein denkender und sehr bewusst gestaltender Maler; seinen Bildern liegen klare Vorstellungen zugrunde. Es konnte vorkommen, dass er seine Gemälde mehrfach überarbeitete oder gar bereits gerahmte Werke von Grund auf neu konzipierte und übermalte, bevor er sie aus der Hand gab. So lassen die beiden Signaturen auf dem "Stillleben mit grüner Vase" vermuten, dass auch dieses Gemälde nachträglich noch überarbeitet worden war.

Barbara von Flüe