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Die Uhrmacherwerkstätte in Madrid
  • Ferdinand Hodler
  • Die Uhrmacherwerkstätte in Madrid, 1879

  • Öl auf Leinwand
  • 82 x 93 cm
  • signiert und datiert unten rechts: "Madrid 79. F. Hodler"
  • Kunstmuseum Luzern, Eigentum der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Gottfried Keller-Stiftung, Bern
  • Inv.-Nr. E 58x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,879
  • Jahr bis: 1,879
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Das Gemälde entstand im Zusammenhang mit Hodlers Spanienaufenthalt in der Zeit von Oktober 1878 und Juni 1879. Ob es tatsächlich vor Ort entstand und dann seinen Weg in die Schweiz fand oder von Hodler zurück in Genf gemalt wurde, ist nicht bekannt. Die relative Grösse macht es jedoch wahrscheinlich, dass das Werk erst nach der Reise ausgeführt worden sein könnte. Es haben sich keine vorbereitenden Zeichnungen erhalten.

Das Interieur stellt die Werkstatt des aus dem Neuenburgischen stämmigen Uhrmachers Charles Edouard Lardet an der Plaza de la Provincia 3 in Madrid dar. Dieser Auswanderer spielte für den jungen Künstler unmittelbar nach der Studienzeit unter Barthélemy Menn in der Genfer Ecole des Dessin eine bedeutende Rolle, ist doch durch Hodlers Briefe in die Heimat überliefert, dass er dessen bescheidene Existenz in der spanischen Hauptstadt mindestens zeitweise überhaupt ermöglichte.

Vordergründig ist einzig an dem typisch spanischen Trinkgefäss im linken Bildraum zu erkennen, dass sich der Maler in der spanischen Hauptstadt befindet. Charakteristisch für diese Zeit sind allerdings die im Vergleich mit dem noch in Genf entstandenen Oeuvre aufgehellten Farben. Sie sind klares Zeugnis dafür, dass Hodler unter dem Eindruck des südlichen Lichts Spaniens stand. Wohl handelt es sich um eine sehr exakte Aufnahme des Ateliers und geschickt nutzt der Künstler den Blick aus dem Fenster, der noch heute eine Identifizierung der Gebäude auf der gegenüberliegenden Strassenseite erlaubt. Wie Caroline Kesser herausfand, wird das links zu sehende Haus – zu Hodlers Zeit ein Gefängnis – heute als Sitz des spanischen Finanzministeriums genutzt. Den Blick aus dem Fenster hat Hodler ein weiteres Mal in einem Gemälde in kleinem Format auf Papier festgehalten (Stiftung für Kunst und Kultur, Winterthur).

Das Gemälde ist bislang 1911 erstmals nachgewiesen, als die Galerie Moos in Genf die bedeutende Sammlung von Hodler-Gemälden des Berner Notars Ch. Läderach zum Verkauf anbot.

Matthias Fischer