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Freie Interpretation eines Geologen II
  • Per Kirkeby
  • Freie Interpretation eines Geologen II, 1976

  • Dispersion und Kreide auf Pavatex
  • 122.3 x 122.3 x 0.3 cm
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 533x
  • © Per Kirkeby
  • Jahr von: 1'976
  • Jahr bis: 1'976
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
Weiteres

Nachdem Per Kirkeby sich in frühen Jahren an der Pop-Art orientiert, wendet er sich 1971/72 von dieser ab, und es folgt ein neues Kapitel seines Œuvres. Zu dieser Zeit setzt er sich intensiv mit Rudolf Steiners Theorien auseinander und besucht Vorlesungen am Goetheanum in Dornach. Diese Beschäftigung kommt in den nun entstehenden Werken, wie jenen des Kunstmuseums Luzern, zum Ausdruck. Das gewählte Medium, Kreidezeichnung auf Holzfaserplatte, ist auf Steiners Wandtafelzeichnungen zurückzuführen, die zur selben Zeit auch für Joseph Beuys eine bedeutende Inspirationsquelle darstellen.

Die Arbeiten aus dieser Phase haben alle die Masse 122 x 122 cm. Häufig integriert Kirkeby in diese Werke Diagramme oder Notizen, die seinen Arbeits- und Denkprozess kommentieren. Es manifestiert sich das Interesse an der Natur, welches sich durch Kirkebys gesamtes Œuvre zieht und im Zusammenhang mit seiner Ausbildung als Geologe zu sehen ist.

Diesen Bezug zu den Naturwissenschaften schafft Kirkeby bei den Arbeiten im Kunstmuseum Luzern auf explizite Weise mit dem Titel. Die „freien Interpretationen eines Geologen“ lassen die mit Kreide vor einem farbigen Hintergrund gezeichneten organischen Formen als Versteinerungen erscheinen. Im knallroten Hintergrund der ersten Arbeit sind vorwiegend im oberen Teil Spuren von flächendeckend verwischter blauer Farbe zu erkennen, sowie schwarze Kohle- und hellgrüne Kreidestriche. Die Zeichnung besteht aus zwei von einander isoliert stehenden Formen: einer Art Rankenmuster im oberen Bildteil und einer schwer identifizierbaren Form darunter, die Kirekbys Auseinandersetzung mit der Maya Architektur dokumentieren, aber auch an organische Fossilien oder Rädertierchen erinnern könnte. Während die Ranken ausschliesslich weiss gezeichnet sind, besteht die untere Form aus einem hellblauen Kranz, weissen Speichen und orangefarbenen Tupfen in der Mitte. Dahinter sind Spuren einer ursprünglichen schwarzen Zeichnung zu erkennen. Beide Darstellungen nehmen einen dezentralen Standort auf der Bildfläche ein. Die verschiedenen Verwischspuren und Farbreste sowie die beiden scheinbar zusammenhanglosen Kreidezeichnungen dokumentieren den Entstehungsprozess dieser Arbeit.

Die zweite Arbeit ist reduzierter. Vor einem monochromen dunkelgrünen Hintergrund ist im unteren Bildteil ein zentrierter nach rechts laufender Dinosaurier zu sehen. Das Tier besteht aus dynamischen weissen und hellgrünen Kreidestrichen und Verwischungen sind kaum festzustellen. Die grüne Hintergrundfarbe weist im Bereich der Zeichnung dunklere Stellen auf, die Spuren einer Überarbeitung sein könnten.

Die beiden Werke entstehen im Zusammenhang mit der Ausstellung „Arme & Beine“ im Jahre 1976 im Kunstmuseum Luzern und wurden dem Museum vom Künstler geschenkt. Es handelt sich bei dieser Gruppenausstellung von fünf Dänischen Künstlern um eine der ersten Ausstellungsbeteiligungen Kirkebys ausserhalb von Dänemark.

Seraina Werthemann