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Milena, Jarosław 2013/2014
  • Sharon Lockhart
  • Milena, Jarosław 2013/2014, 2014

  • 3 gerahmte C-Prints, Ed. 6/6 und 2 AP
  • Je 128.8 x 103.5 cm
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der BEST Art Collection Luzern
  • Inv.-Nr. 2016
  • © © Sharon Lockhart
  • Jahr von: 2,014
  • Jahr bis:
Description
Provenance
Exhibition History

Während eines Aufenthalts in Łódź, Polen, dreht Sharon Lockhart 2009 den Film «Podwórka» und trifft dabei Milena, ein damals 9-jähriges Mädchen, mit dem die Künstlerin Freundschaft schliesst. Milena lebt in der ostpolnischen Provinz in einem Kinderheim. Aufgrund der Sprachbarriere kommunizieren die beiden über Bilder, Videos oder Facebook. Aus ihrem Dialog entwickelte sich ein ganzer Zyklus von Werken mit Milena als Hauptperson, so zum Beispiel die 2014 entstandene, fotografische Porträtserie «Milena, Jarosław, 2013». Die dreiteilige Fotoarbeit bildet in diesem Schaffenskomplex das zentrale Werk. In den drei Aufnahmen sitzt Milena sommerlich leicht gekleidet an einem mit einer Spitzendecke belegten Tisch vor einem braunen, hölzernen Wandschrank. Die farbliche Überein¬stimmung von braunem Holz und gebräunter Haut sowie weissem T-Shirt und weisser Spitzendecke zeigt die Komponiertheit der so beiläufig erscheinenden Szene. In allen drei Darstellungen entzieht das Mädchen seinen Blick demjenigen der Betrachterin oder des Betrachters: In einem Foto hält sie sich die Hände seitlich vor die Augen, im zweiten wendet sie den Kopf ab und hat die Linke über die Augen gelegt und im dritten hat sie den Kopf auf den Arm gelegt, der auf der Tischplatte ruht.
Wie bei früheren Arbeiten, etwa der Fotoserie «Auditions» von 1994, arbeitet Lockhart auch hier mit verstörenden Gegensätzen beispielsweise zwi¬schen der leicht aufreizenden Entblössung von Schultern und Dekolleté auf der einen und der bewussten Abwendung auf der anderen Seite, die das brüchige Selbstverständnis einer Pubertierenden und ihr ambivalentes Verhalten treffend charakterisieren. Die Künstlerin sieht für die Präsentation der drei Fotos keine Abfolge in der Art einer filmischen Handlungssequenz vor, vielmehr bevorzugt sie die Präsentation auf drei Wandkuben, so dass die drei Bilder nicht gleichzeitig gesehen werden können. Dies macht auf anderer Ebene den Widerspruch zwischen Sichtbarkeit und Verbergen noch einmal als zentrales Merkmal dieser Arbeit deutlich.
Heinz Stahlhut