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Besonnte Stämme
  • Hans Emmenegger
  • Besonnte Stämme, 1939

  • Öl auf Leinwand
  • 112.5 x 73.5 cm
  • signiert und datiert unten links: "HANS EMMENEGGER 39."
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der Stadt Luzern
  • Inv.-Nr. GH 85.41x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,939
  • Jahr bis: 1,939
Description
Provenance
Exhibition History
Other

Im Jahr 1930 vollendete Emmenegger "Sonnenflecken im Fichtenwald", das imposante Hauptwerk seiner dämmrigen und ungemein modernen Serie besonnter Stämme oder belichteter Waldstücke – ein Thema, mit dem er sich bereits seit der Jahrhundertwende sporadisch auseinandergesetzt hatte. Seit den 1930er Jahren schuf er vermutlich über zwanzig solcher Bilder in verschiedenen Formaten und von unterschiedlichster Farbigkeit und Wirkung.

Die entscheidende Wende dieses Emmenegger-spezifischen Bildinhalts ereignete sich 1926, mitten in einer Zeit der finanziellen Unsicherheit ("Keine Bank wird Ihre Marken belehnen."), der Entbehrung und drohenden Schaffensverlusts ("Ihre Kunstsachen sind überhaupt nichts wert!"). Es scheint, als hätte der sich jährende Todestag seines grossen künstlerischen Vorbildes und die Erinnerung daran Emmeneggers Kreativität neuen Schub verliehen: "Meine Gedanken schweifen nach San Domenico, wo heute vor 25 Jahren ein grosser Maler sein arbeits- & erfolgreiches Leben beschloss. Diesen Tag glaubte ich würdig zu feiern, indem ich
das grosse Bild ‹Sonnenflecke im Fichtenwald› nach der Studie 274 zum grössten Teil untermalte. An diesem Motiv hätte Böcklin jedenfalls Freude gehabt." Die monumentale Leinwand erscheint wie ein Über-Bild all dieser Sonnen- und Stammbilder. Einerseits hebt es sich seiner Dimensionen wegen deutlich von den übrigen ab, andererseits ist es Ursprung des Böcklinschen Zusammenhangs. Die Vorstellung, dass der allein und zurückgezogen lebende Maler Emmenegger in seinem Atelier in einer persönlichen Krise Zwiesprache mit seinem verstorbenen Vorbild aufnimmt, ist äusserst reizvoll. Einerseits weil dabei eines seiner bedeutendsten Bilder, das Ausgangspunkt einer ganzen Serie werden sollte, entstand, andererseits weil sie einen von Kunsthistorikern oft vergeblich gesuchten, für den Maler bezeichenden und doch unerklärlichen kreativen Antrieb umreisst.

Dass Emmenegger sich schon zu Beginn des Jahrhunderts mit der Umsetzung der Idee beschäftigt hatte, einen belichteten Ausschnitt eines Waldrandes oder dunkeln Waldinneren zu malen, belegen sowohl die Gemälde "Waldboden" und "Sonnenschein im Walde" als auch der Tagebucheintrag vom Frühling 1904: "Meine alte Sehnsucht nach dunklem Waldinneren m.[it] Sonnenflecken soll diesen Sommer befriedigtwerden." Der Ausdruck einer «alten Sehnsucht» passt zu diesem kuriosen Genre, das vielleicht am stärksten als direkter Ausdruck von Emmeneggers Persönlichkeit bezeichnet werden darf.

Ähnlich wie das eingangs zitierte Bild "Sonnenflecken im Fichtenwald", fallen auch die beiden Bilder "Buchenstämme" (1938) und "Besonnte Stämme" (1939) durch ihre monumentalen Hochformate auf – Emmenegger schafft hier eigentliche Baumbildnisse. Im zweiten Bild gelingt Emmenegger zudem die Kombination von Licht und Stämmen, der Kontrast von hell und dunkel zu einem stimmungsvollen Ganzen vorzüglich. Zudem erzielt der Maler hier mittels der fast Fingerartigen Darstellung des Schattens auf den kahlen und blanken Stämme im Waldinneren die Anregung der Fantasie und des Unterbwussten