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Das Zimmermädchen
  • Chaïm Soutine
  • Das Zimmermädchen, um 1930

  • Öl auf Leinwand
  • 110.3 x 34 cm
  • signiert unten rechts, mit roter Ölfarbe: "C. Soutine"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 366x
  • © 2005, ProLitteris, Zurich
  • Jahr von: 1'928
  • Jahr bis: 1'932
Werkbeschrieb
Provenienz
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Literatur
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In der zweiten Hälfte der 1920er wie auch zu Beginn der 1930er Jahre entsteht die wichtige Gruppe der Porträts und Figurenbilder. Dazu gehören Messdiener, Köche, Kellner, Hotelangestellte und Zimmermädchen, die Chaim Soutine in den meisten Fällen in frontaler Ansicht malt.

Etwas unbeholfen platziert Soutine die stehende Frauenfigur mit den übereinander gelegten Händen vor dem Schoss in den leeren Bildraum. Sie erstreckt sich über die ganze Leinwand und wird dem überlangen schmalen Bildformat angepasst. Vom Bildhintergrund ist daher kaum etwas zu sehen. Schüchtern und mit traurigem Gesichtsausdruck steht das Zimmermädchen vor uns: Bekleidet mit einem fleischtonigen Arbeitsrock, der mit dem rosigen Farbton ihrer Gesichtshaut korrespondiert, und einer weissen Arbeitsschürze.

Die Uniformierung, die das Rollenverhalten in der Gesellschaft festschreibt, wird von Soutine als ein Unterdrückungsinstrument dargestellt, das dem einzelnen Menschen zwar die Individualität nicht ganz raubt, aber eine lebendige persönliche Entfaltung verunmöglicht. Soutines Darstellungen dieser Bedientesten wirken auch in der merkwürdigsten Verzerrtheit nie als Karikatur. Sein Gefühl des Verständnisses für den einzelnen Menschen ist in jedem Bild spürbar – so auch beim „Zimmermädchen“. Diese Bildmotive werden später von anderen Künstlern übernommen wie zum Beispiel vom Schweizer Maler Varlin, bei dem auch der menschliche Aspekt wichtig bleibt.

gekürzter und überarbeiteter Katalogtext von Martin Kunz, 1983