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Schneelandschaft mit Häusern des Weilers Meudon am Dorfeingang von Les Verrières (Studie zum Bourbaki-Panorama)
  • Edouard Castres
  • Schneelandschaft mit Häusern des Weilers Meudon am Dorfeingang von Les Verrières (Studie zum Bourbaki-Panorama), 1876/1877

  • Öl auf Leinwand
  • 18.5 x 53.5 cm
  • signiert unten links: "E. C."
  • Kunstmuseum Luzern, Eigentum der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Gottfried Keller-Stiftung, Bern
  • Inv.-Nr. E 8x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1,876
  • Jahr bis: 1,877
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography
Other

Im Gegensatz zu den zeitgenössischen deutschen Panoramamachern Anton Werner und Louis Braun hat Edouard Castres alle malerischen Vorarbeiten selber und allein an die Hand genommen. Seine Skizzen, Studien und Entwürfe gehören zu den bedeutenden Beispielen in der Schweizer Malerei des späteren 19. Jahrhunderts. Viele davon sind im Besitz der Eidgenössischen Gottfried Keller-Stiftung. Sie wurden 1902 aus dem Nachlass des Künstlers erworben und anschliessend in der Kunstgesellschaft Luzern deponiert. Heute sind sie auf verschiedene Schweizer Museen verteilt. Neun Beispiele sind in Luzern geblieben, darunter drei sehr schöne Landschaftsstudien.

Das weitwinklige Winterbild entführt uns ins jurassische Hochtal von Les Verrières. Es gibt den Blick frei auf den Dorfteil Meudon diesseits der Landesgrenze. Die Häuser auf der linken Bildseite säumen die Strasse, die durchs Val de Travers in Richtung Neuenburg führt. Auf der anderen Talseite rechts im Bild übernimmt die Bahnlinie die entsprechende Bewegung in die Bildtiefe. Durch die geringe Aufsicht laufen die beiden Fluchtlinien im Bild fast horizontal aufeinander zu und entfalten keine starke Tiefenwirkung. So konzentriert sich der Blick, auf die Bauten im Mittelgrund. Rosa, blaugrau und ockertonig liegen die freundlichen Behausungen zwischen dem tief verschneiten Feld im Vordergrund und dem Wolken verhangenen Himmel in der winterlichen Stille des Juratales. Rechts kommt der flankierende Hügelzug mit ins Bild, die auslaufenden Bergketten erscheinen verschleiert im Hintergrund.

Die kleine Schneelandschaft ist eine ruhig in sich geschlossene Komposition von grossem atmosphärischem Reiz. Dasselbe lässt sich auch für alle anderen Landschaftsstudien sagen, welche Edouard Castres im Winter 1876/77 in Les Verrières anfertigte.

Gemeinsam dokumentieren sie den ersten Schritt in den Vorbereitungen für das Bourbaki-Rundbild für welches der Genfer Künstler kurz zuvor den Auftrag bekommen hatte. Zuerst galt es den topografischen Rahmen aufzunehmen, um die Bühne zu schaffen, auf der das grosse Schauspiel seinen Platz finden sollte. Diesen intimen Landschaftsstudien fehlt das bedrohliche Element, das im vollendeten Rundbild durch die Szene, d.h. durch die sich gegenseitig steigernden Effekte von Kälte und menschlichem Drama entsteht. Es sind Ölbilder von bescheidenem Format, in denen die winterliche Stimmung des sich selbst überlassenen Ortes mit viel Feinfühligkeit eingefangen ist.

Kaum eine der zahlreichen Landschaftsstudien fand als Ganzes unverändert Platz im Rundbild. Während die einen – so auch die Studie „Schneelandschaft bei Les Verrières mit Blick in Richtung Pontarlier" (KML E 7x) – der Gesamtaufnahme der landschaftlichen Situation, vor allem auch der Fernsicht dienten, sind andere, wie die beiden Gebäude am Zoll (KML E 93.175x) oder die hier besprochene Studie, nur leicht variiert und vor einer neu gesetzten Horizontlinie im Panorama wieder zu entdecken. Dass der Künstler dieses kleine Bild tatsächlich zur Weiterverwendung vergrössert hat, lässt sich an der feinen Bleistiftquadratur erkennen.

Brigit Kämpfen-Klapproth