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Bildnis Johann Carl Hedlinger
  • Johann Melchior Wyrsch
  • Bildnis Johann Carl Hedlinger, 1765

  • Öl auf Leinwand auf Holz
  • 82.5 x 66.5 cm oval
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern, Eigentum der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Gottfried Keller-Stiftung, Bern
  • Inv.-Nr. E 49x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'765
  • Jahr bis: 1'765
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
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Der in Schwyz geborene Johann Carl Hedlinger (1691-1771) lässt sich in Luzern, Nancy und Paris zum Goldschmied und Medailleur ausbilden. 1718 beruft ihn der schwedische König Karl XII. als Hofmedailleur nach Stockholm. Hedlinger bleibt mit dem schwedischen Hof stets verbunden, schafft daneben aber auch Medaillen für Papst Benedikt XIII., Friedrich den Grossen, den Kurfürsten von Bayern und andere bedeutende Auftraggeber. 1741 heiratet er Maria Rosa Franziska Schorno, vier Jahre später lässt er sich in seinem Heimatort Schwyz nieder.

Johann Melchior Wyrsch hatte den berühmten Schwyzer Medailleur über seine Eltern kennen gelernt. Ihm hat er seine Stelle als Gehilfe des Franz Anton Kraus in Einsiedeln zu verdanken, und es war vermutlich auch Hedlinger, der Wyrsch mit Empfehlungsschreiben den Studienaufenthalt in Rom erleichtert hat. 1765 bekommt der inzwischen als Bildnismaler gefragte Wyrsch den Auftrag, die Familie Hedlinger in mehreren Gemälden festzuhalten. Anlass zu diesem Auftrag bot wohl die am 4. Juni 1765 stattfindende Heirat des einzigen Kindes, Rosa Karolina Hedlinger, mit ihrem Cousin Viktor Laurenz Hedlinger.

Mittelpunkt dieses Auftrages stellt das Bildnis des Medailleurs selbst dar: Wyrsch zeigt den bereits älteren Goldschmied in einem Oval als Halbfigur, den Körper im Dreiviertelprofil nach rechts gedreht, den Kopf jedoch dem Betrachter frontal zugewendet. Die schlichte Kleidung, graue Perücke, pelzbesetzter Mantel, geöffneter Hemdkragen und Weste, deutet auf eine private Umgebung hin. Nur das umgehängte rote Ordensband ist Zeichen für Hedlingers bedeutende Stellung. Mit seiner rechten Hand weist der Porträtierte auf zwei vor ihm auf dem Tisch liegende Medaillen hin – eine Geste, die zudem noch durch das weiss der Manschette und das Oval des Bildträgers hervorgehoben wird. Mit der Wahl des Bildformats und dem einheitlich dunklen Hintergrund, vor dem sich der ebenfalls dunkel gekleidete Medailleur kaum abhebt, setzt Wyrsch Kopf und Hand des Porträtierten in den Mittelpunkt der Bildkomposition. Hier scheint es allerdings – anders als in anderen Bildnissen Wyrschs – weniger um die Zeigegeste als um die Darstellung der Hand an sich zu gehen: sie ist ausführendes Werkzeug des bildenden Künstlers und wesentliches Instrument von Hedlingers Kunstausübung.

Als Pendant zu dem in sich geschlossenen Bildnis des Medailleurs malt Wyrsch das Porträt von Frau Hedlinger-Schorno, welches sich ebenfalls in der Sammlung des Kunstmuseums Luzern (Inv.-Nr. E 48x) befindet. Es handelt sich bei der Dargestellten nicht um die Ehefrau, die zum Zeitpunkt der Entstehung der Bildnisse bereits verstorben war, sondern um die Schwägerin von Johann Carl Hedlinger. Auch ein Porträt der Tochter Rosa Karolina Hedlinger ist erhalten (Privatbesitz).

Barbara von Flüe