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Untitled (From the Transparent Kindergartens Above Streets Series)
  • Robert Estermann
  • Untitled (From the Transparent Kindergartens Above Streets Series), 2006

  • Kugelschreiber und Bleistift auf Papier
  • 42 x 29.7 cm
  • siginert und datiert verso: "R. Estermann/2006"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 2006.18y
  • © 2007, ProLitteris, Zurich
  • Jahr von: 2'006
  • Jahr bis: 2'006
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
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Zwei Figuren werden von einem freien vertikalen Strich rechts und einem horizontalen in Form einer Massgabe gesetzten Strichs gerahmt, ohne dass sie jedoch konkrete Hinweise auf eine räumliche Situation geben. Die beiden Figuren sind in Bewegung dargestellt, wobei sich die eine nach hinten zu lehnen scheint, die andere sich kopfüber befindet, als wolle sie abstürzen oder sich in etwas hineinwerfen. Am unteren Blattrand befindet sich, wie oftmals von Robert Estermann praktiziert, eine Bildunterschrift: "one (1) - the other (1) / this is the measurement (1), I am the architect. This paper is the building, the lines, the directness are real as well as the children."

Das Blatt gehört zur "Transparent Kindergarten Above Streets"-Serie, die in einem Zeitraum von zwei Jahren entstanden ist und rund zwanzig Zeichnungen umfasst. Mit ihnen hat der Künstler begonnen, sich mit dem deutschen Pädagogen Friedrich Froebel (1782–1852) auseinanderzusetzen. Froebel war Schüler Pestalozzis und hat mit der Erfindung des Kindergartens neue Massstäbe in der Erziehung von Kindern gesetzt. Estermann begreift den geschützten Hort des kindlichen Lebens, in dem gerade auch die kreativen Fähigkeiten von Kindern gefördert werden sollen, nicht nur als Paradies, sondern auch als ein von Erwachsenen geschaffener Ort, in dem Kinder räumlich von der übrigen, der Erwachsenenwelt, bewusst weggeschlossen werden. Der Titel weist auf die unterschiedlichen Formen dieser "Gärten" hin, die unsichtbar ("transparent") und sich bisweilen nahe (unter Umständen) gefährlicher Strassen ("streets") befinden. Die Komplexität des künstlerischen Denkens erweist sich hier als kritische Instanz, verbindet sie doch das vermeintlich Harmlose mit der Brutalität des Alltags.

Susanne Neubauer