deutschenglisch
Akt
  • Walter Helbig
  • Akt, 1912

  • Holzschnitt, montiert auf Karton
  • 11.5 x 11 cm
  • signiert und datiert auf Montagekarton: "1912 W. Helbig"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 2005.66z
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'912
  • Jahr bis: 1'912
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur

Walter Helbigs malerisches Schaffen wird fast durchgehend von Holzschnitten ergänzt. Besonders während seiner ausgeprägten expressionistischen Periode, die ungefähr mit der Gründung des Modernen Bundes 1911 zusammenfällt, nimmt der Holzschnitt eine Art Vorreiterrolle innerhalb von Helbigs Œuvre an. Im kleinen Format des graphischen Mediums werden die neuen Ausdrucksmittel zunächst ausprobiert, bevor er sie auf die Ölmalerei überträgt. Der Holzschnitt kommt dabei der leidenschaftlichen, impulsiven Haltung der Expressionisten, die im Messer das geeignete Werkzeug und im Holz den passenden Werkstoff finden, entgegen. Das Material Holz und seine charakteristische Struktur lassen sich ausserdem als Wirkungsfaktoren in die Bildgestaltung einbeziehen. Wie die Künstler der "Brücke" verwendet auch Helbig zu diesem Zweck ein weiches Langholz, dessen charakteristische Maserung dem dynamischen Ausdruck des Werks dient.

Der vorliegende, kleinformatige Frauenakt dient als Einbandholzschnitt des ersten, vom Modernen Bund publizierten Heftes (KML M 96.9z). Besonders deutlich wird hier die Ästhetik des Werkstoffs Holz mit einbezogen. Neben der Maserung fallen die rohen, ungeglätteten Umrisse auf. Einzelne Späne scheinen mehr herausgerissen, als -geschnitten. Die weibliche Figur, in die fallende Bilddiagonale eingespannt, wirkt vierschrötig, derb, gewissermassen "hölzern". Die beiden freien Bildzwickel werden durch einfache Dreiecksornamente gefüllt, die an den Jugendstil gemahnen. Der abstrahierte Frauenakt, der das durch die Ornamentik entstehende Oval ausfüllt, ist flach, ohne Binnenzeichnung, fast zum ungegenständlichen Zeichen umgedeutet. Das gestische Moment, das dynamisch und spontan ausfällt, steht im Vordergrund.

Gegen 1918 ist in Helbigs graphischem Œuvre erneut eine deutliche Veränderung auszumachen, die sich beispielsweise im Holzschnitt "Anbetung" (KML 2007.7z) zeigt: Statt einfacher, von den Umrissen her gedachter Formen, zeugen eine ausgeprägte Binnengestaltung von einer Rückkehr zum Naturalismus. Schraffuren, die die hellen und dunklen Flächen miteinander verbinden und weichere Übergänge schaffen, werden eingesetzt und das Blatt zeichnet sich durch eine komplizierte Komposition aus.

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