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Tacones Lejanos
  • Nils Nova
  • Tacones Lejanos, 2001

  • Acryl und Hautleim auf Leinwand
  • 160 x 200 cm
  • signiert und datiert verso: "Nils Nova. 2001"
  • Kunstmuseum Luzern, Depositum der Stadt Luzern
  • Inv.-Nr. G 2003.22x
  • © Nils Nova
  • Jahr von: 2'001
  • Jahr bis: 2'001
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
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Das grossformatige Leinwandbild zeigt einerseits ein klar erkennbares Bildmotiv: einen fuchsiafarbenen Frauenschuh mit hohem Absatz. Andererseits führt es, im Wesentlichen bestehend aus lediglich drei „abstrakten“ (Farb-)Feldern – zwei praktisch farblose, da nur mit Hautleim behandelte sowie eine rosagefärbte – die Malerei als solche vor.

Das identifizierbare Sujet, der High Heel, steht nicht nur exemplarisch für einen fetischisierten, also im psychoanalytischen Sinne für einen das reale Objekt der Begierde substituierenden Gegenstand. Der Schuh ist im vorliegenden Fall das freie Bildzitat des Werbeplakats zu einem im spanischen Original als „Tacones Lejanos“ betitelten frühen Film Pedro Almodóvars. Das Kino im Allgemeinen als zentraler Inspirationsort für Nils Novas Schaffen verbindet sich hier mit der – des Künstlers eigenen – hispanischen Kultur und Sprache. Dabei ist „Tacones Lejanos“ ein erheblich dichterer, bildhafterer Ausdruck als etwa die deutsche Übersetzung „hochhackige Schuhe“ oder deren Umschreibung „Frauenschuh mit hohem Absatz“. Das Wort „lejano“ meint „fern/in der Ferne liegend“ und unterstreicht somit eine weitere Funktion des hohen Schuhs: In Schuhwerk mit hohem Absatz macht sich eine Person grösser, verschafft sich einen besseren Überblick über ihre Umgebung, sieht mithin weiter. Indessen ist ihr Gang durch den dünnen hohen Absatz verunsichert, und sie steht nicht auf festem Boden.

Was hier über Bildmotiv und -titel an Bedeutung ins Spiel gebracht wird – der horizontale Weitblick im Gegensatz zur nach oben gerichteten „Ideenschau“; und damit einhergehend die Fragwürdigkeit des subjektiven Standpunktes, der Erkenntnis nur auf unsicherem Fundament zulässt –, korrespondiert mit den medialen, bildtheoretischen Fragen, die im Gemälde implizit verhandelt werden: Durch den flächigen, jegliche Raumillusion vermeidenden Farbauftrag, an dessen Rändern weitere Töne des Farbspektrums sich herauslösen und in die bloss transparent grundierte Leinwand hinein verfransen, sowie durch seinen unrealistischen Massstab mutiert der identifizierbare Gegenstand zur „unsicheren Grösse“. Dergestalt seines unmittelbaren Bezugspunkts im Bild beraubt und womöglich ob des Schwankens zwischen figurativer und nichtillustrativ-abstrakter Malerei irritiert, wird der Betrachter dezidiert auf die Gemachtheit und die materielle Beschaffenheit des Kunstwerks hingewiesen.

Isabel Fluri