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We are going to cross that bridge
  • Lori Hersberger
  • We are going to cross that bridge, 2005

  • Neonröhren, Transformer, Kabel
  • Grösse variabel/dimensions variable
  • nicht bezeichnet
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 2005.83w
  • © Lori Hersberger
  • Jahr von: 2,005
  • Jahr bis: 2,005
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography

Unser Selbstverständnis wird nicht nur von Bildern, sondern auch von der Sprache beeinflusst, der Sprache aus der Werbung zum Beispiel, oder Songtexten und Filmtiteln, die sich in unser Ohr einschleichen, im Kopf festsetzen. Für solche Sprachwirkungen interessiert sich Lori Hersberger besonders. Er verwendet Zitate, teilweise in abgeänderter Form, als grandios-pathetische Titel seiner Installationen und verschafft ihnen so eine hybride Aura: „How can you kill me? (I’m already dead)” (2002), “Preview of the Hollow Sky” (2004) oder “Life is a bitch and then you die” (2004) sind nur einige davon. Diese sprachlichen Versatzstücke setzt der Künstler in seinem Werk auch als selbständige Elemente ein, indem er sie als Neonschriften fertigt. „Search and Destroy“ (1998), „Not Fade Away“ (2004) oder „A timeless land. Where horses still run free. Where some men do what others only dream about“ (2001) sind Songtiteln bzw. Slogans aus der Werbung entnommen, denen Hersberger in ihrer neuen, räumlichen Erscheinung in der Form von leuchtenden Neons eine ironisierende Distanz zu ihren ursprünglichen Bedeutungen, sowie der Herkunft und Gebrauch verschafft, und so die Ambivalenz nutzt, die dem Konstrukt Mythos wie auch der Sprache innewohnt.

Mit „We are going to cross that brigde“ setzt uns Hersberger einen Raum vor, schwarz gestrichen, leer, erhellt durch einen Schrifttext, mit gleichem Wortlaut, verbunden mit einem leuchtenden Horizont aus weissem Neonlicht. Der Text ist seinem alltäglichen Gebrauchszusammenhang enthoben, und gemeint ist hier auch keine reale Brücke, sondern eine Metapher: „That bridge“. „Diese Brücke. Vielleicht diese letzte Brücke. Es geht hier um eine Magie des Glaubens an die Hoffnung,“ wie der Künstler selbst anmerkt. „Die Idee der Brücke verbindet immer ein Hier oder Dort, nicht nur räumlich. Dieses gilt es zu erreichen, wenn wir denn soweit kommen. Symbolisch impliziert sie ein Diesseits oder Jenseits, Entweder-Oder, Alles oder Nichts. Meine Neontexte wollen immer zugleich Beschwörung und Negation der Bedeutungen in Form eines Subkontextes im Raum sein. Dabei spielt natürlich die Wechselwirkung zwischen der Groteske und dem Sublimen eine wichtige Rolle.“

Realität, Bild und Sprache sind wandelbar und Hersberger treibt in seiner Installation ein Spiel mit und über die Sprache, die scheinbar offen, aber auch ein geschlossenes System ist. Dies betrifft den gesamten Raum Hersbergers. In diesem Sinn kann die horizontale Neonlinie interpretiert werden, die das Ende des Satzes entlang der vier Wände des Ausstellungsraums zirkelartig mit seinem Anfang kurzschliesst. Hersberger blendet uns mit grellweissem Neonlicht, mit den komplexen Mechanismen der Sprache und mit ihren verwirrenden, unendlichen Möglichkeiten, immer wieder neue Bedeutung zu generieren.

Sylvia Rüttimann