deutschenglish
Narziss
  • Stefan Banz / Caroline Bachmann
  • Narziss, 2006

  • Holz, Plexiglas, Farbe, Plastikfolie, Wasser
  • 250 x 330 x 500 cm
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 2008.5w
  • © Caroline Bachmann/Stefan Banz
  • Jahr von: 2,006
  • Jahr bis: 2,006
Description
Provenance
Exhibition History
Bibliography

Zur Installation gehört eine quadratische, schwarze Bodenfläche, die als Becken dient und ungefähr fünf Zentimeter hoch mit Wasser gefüllt ist. In der Wasserfläche steht eine 200 Zentimeter hohe Holzkonstruktion, die ein Modell einer ins Wasser gerichteten und ihr eigenes Spiegelbild filmenden 35 Millimeter Filmkamera trägt.

Der Titel verweist auf den schönen Sohn der Leiriope und des Flussgottes Kephissos Narziss in der griechischen Mythologie, der sich in sein eigenes Spiegelbild verliebt. Darin ist an sich ein entwicklungspsychologischer Aspekt beschrieben: sich selbst auf der reflektierenden Wasseroberfläche zu erkennen setzt voraus, dass ein Bewusstsein über das Phänomen der Reflexion und ein unterscheidendes Bewusstsein, ein Ich-Bewusstsein, vorhanden sein muss. Narziss schaut in sein Spiegelbild ohne zu erkennen, dass es sich dabei um seine Person handelt. Im Falle des Werkes erinnert die filmende Kamera in ihrer Haltung an eine menschliche Konstellation. Mit der Linse auf die Wasseroberfläche gerichtet, wendet sie sich von der Aussenwelt ab, konzentriert sich auf ihr eigenes Tun und hält dieses fest. Die Kamera scheint ihr Spiegelbild zu filmen, aber zugleich ihre Umgebung, die sich im Wasser reflektiert.

Bachmann und Banz gehen in ihrer Installation einer zentralen Frage der Kunst, dem Verhältnis von Bild und Abbild beziehungsweise Original und Kopie nach. Die Referenzen sind mannigfaltig. Das Künstlerpaar hat selbst ins Spiel gebracht, dass ihre Installation als eine Hommage an das Hollywood-Kino zu verstehen ist, im Speziellen an Dennis Hoppers Film „The Last Movie“ (1971), der nie in den Kinos aufgeführt wurde. Darin verschmelzen Realität und Fiktion zu einer grausamen Allianz: Die Einwohner eines peruanischen Dorfes bauen, inspiriert durch den Dreh eines Filmteams vor Ort, eine Holzkamera, mit der sie ihren eigenen Western, scharfe Munition schiessend und sich blutig schlagend, aufnehmen.

Zusätzlich deutet das Thema von Bild und Abbild auf viele Bezugspunkte in der Kunst selbst hin. Die Möglichkeiten der Spiegelung bzw. des Spiegels wurden von Kunstschaffenden erforscht, um die Wahrnehmung der Betrachtenden zu täuschen und um symbolischen Gehalt zu übermitteln. Zu nennen wären Werke wie Jan van Eycks „Porträt von Giovanni Arnolfini und Giovanna Cenami“ (1434), Diego Velazquez‘ „Las Meninas“ (1656) oder „Eine Bar in den Folies-Bergère“ (1882) von Edouard Manet. Das Phänomen der Täuschung verweist damit immer auf den Künstler selbst, der mit den Mitteln der Kunst eine Illusion zu bilden vermag und damit zum Protagonisten einer komplexen Betrachtungsanweisung wird.

Karoliina Elmer