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Song for Golgatha I
  • Helmut Federle
  • Song for Golgatha I, 2009

  • Acryl auf Leinwand
  • 60 x 50 cm
  • verso mit schwarzer Farbe auf Leinwand: "Song for Golgatha/Federle 09", auf Keilrahmen mit schwarzer Farbe: "Inv. # 355"
  • Kunstmuseum Luzern, Ankauf ermöglicht durch die Landis & Gyr Stiftung
  • Inv.-Nr. 2012.023x
  • © 2013, ProLitteris, Zurich
  • Jahr von: 2'009
  • Jahr bis: 2'009
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
Weiteres

Das kleinformatige Bild zeigt ein rechteckiges, dunkles Feld im Hochformat, das sich aus horizontal und vertikal gesetzten, schwarzen Pinselstrichen aufbaut. Gegen seine Bildmitte hin nimmt die Helligkeit zu: Vom Bildzentrum aus erhellen weisse Strahlen die Bildfläche. Die beiden Werke „Dark Night Three II” (vgl. KML Inv.-Nr. 2012.024x) und „Song for Golgatha I“ (2009) verfügen trotz ihres unterschiedlichen Erscheinungsbildes über eine grundlegende Gemeinsamkeit: Sie hellen sich gegen ihre Bildmitte hin auf. Interessant ist ihre gegensätzliche Wirkung: Richten sich die Strahlen in einem Sog nach innen zum Bildzentrum hin, oder bewegen sie sich nach aussen zur Bildkante? Die Lichtbilder gehören einer neueren Serie an, deren Stammvater im Werk „Innerlight (HRI)“ (1985) verortet werden kann. Das querformatige Rechteck wird in der Bildmitte von einem Viereck erhellt und verdunkelt sich gegen den Bildrand. Es ist vorwiegend in den typischen Farben Federles, in schmutzigem Gelb und Grün, die er als Selbstmordfarben bezeichnet, sowie Schwarz gehalten. Beim Bildaufbau beschränkt sich der Künstler auf horizontal und vertikal gesetzte Pinselstriche. Die aus der Bildmitte ausstrahlenden Diagonalen bestehen noch nicht und scheinen sich erst in den nachfolgenden Werken auszubilden. Aufschlussreich sind die darunterliegenden schwarzen und weissen Balken, die auf eine während dem Malprozess sich entwickelnde Bildfindung schliessen lassen. Für Joseph Masheck (2012) bildet es ein wichtiges Werk in der Entwicklung des religiösen Bewusstseins des Künstlers in den 1980er Jahren und wird von ihm klar als religiöse Kunst eingestuft.

Die Arbeit „Song for Golgatha I“ bildet in der Art der Ausführung einen Gegensatz zu „HF + Kreuz Black Sign“ (1981, vgl. KML Inv.-Nr. M 96.4x). Sie scheint Produkt einer intuitiven Malweise, deren Punkt der Vollendung offen ist. Mit dem Titel schlägt sie den direkten Bezug zum christlichen Glauben: Golgatha, der Hügel ausserhalb Jerusalems, auf dem Christus stellvertretend für die Sünden der Menschheit gekreuzigt wurde. Interessant ist in diesem Zusammenhang das Werk mit dem gleichen Titel „Song für Golgatha II (Hiroshima)“ (2009), dessen Zusatz in Klammern auf die japanische Stadt verweist. Es zeichnet sich durch ein bereits erhelltes Feld, im Gegensatz zu „Song for Golgatha I“ in den Farben Gelb bzw. Grau aus, von dessen Bildzentrum Licht ausströmt. Der Titel löst durch seine zwei Verweise beim Betrachten des Werkes unterschiedliche Wahrnehmungen aus: „Golgatha“ mit seiner Andeutung an Hoffnung lässt das Gelb warm erscheinen, „Hiroshima“ erinnert an den amerikanischen Atombombenabwurf über Japan im Zweiten Weltkrieg und verleiht dem Gelb eine giftige, zerstörerische Qualität.

Karoliina Elmer