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Weiblicher Akt
  • Hans Emmenegger
  • Weiblicher Akt, 1907

  • Öl auf Leinwand
  • 150.4 x 139.2 cm
  • signiert unten rechts: "HANS EMMENEGGER"
  • Kunstmuseum Luzern
  • Inv.-Nr. 462x
  • © Kunstmuseum Luzern
  • Jahr von: 1'907
  • Jahr bis: 1'907
Werkbeschrieb
Provenienz
Ausstellungsgeschichte
Literatur
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Hans Emmenegger hat die Landschaften und Stillleben der Aktmalerei vorgezogen. So ist der "Weibliche Akt" auch der einzige gemalte Akt in seinem Œuvre, abgesehen von wenigen Zeichnungen, die ebenfalls Aktdarstellungen zum Motiv haben. Der Rückenakt wird 1908 zum ersten Mal an der Luzerner Weihnachtsausstellung gezeigt und erregt Aufsehen: Des Motivs wegen ordnet der Erziehungsrat nach dem achten Ausstellungstag die Entfernung des Gemäldes von Emmenegger an. Gleichzeitig werden zwei kleinere Akte von Karl Friedrich Schobinger und Ernst Hodel entfernt.

Emmenegger gewährt uns Einblick in einen schlicht möblierten Raum. Die rechte dunkle Zimmerwand ist in erdigen Tönen gemalt. Eine nackte Frau, den Rücken den Betrachtenden zugewandt, sitzt auf einem mit hellen Laken verhüllten Ruhebett. Sie stützt ihre linke Hand auf dem Bett ab, ihr rechter Arm ist angewinkelt und ruht auf ihrem Körper. Die Füsse berühren den Holzboden. Eine braune Haarspange hält das aufgesteckte dunkle Haar zusammen. Ihr Blick ist gegen die ebenfalls mit weissen Tüchern dekorierte Wand gerichtet.

Die zur Anwendung kommende Maltechnik ist auffällig und steht dem Pointillismus eines Segantinis nahe, mit dem Unterschied, dass die einzelnen Farbstriche bei Emmenegger nicht einzeln wahrgenommen werden. Gleichmässig sind die Linien und Pinselstriche verteilt. Was aus der Entfernung als eine mehrheitlich einfarbige Fläche wahrgenommen wird, ist eine Zerlegung der Fläche in feine braungrüne Farbtöne (dunkle Zimmerwand, dunkler Holzboden). Dieselbe Technik gelangt auch in der "Schneeschmelze" zur Anwendung.

Zum vollendeten Rückenakt notiert Emmenegger am 22. August 1907 folgendes in sein Tagebuch: "Abends weibl. Akt endlich vollendet. Ist ziemlich korrekt, aber akademisch geschleckt & in d. Farbe russig. Das Frische, das ursprünglich darin war, ist ganz verloren gegangen."
Emmenegger, der auch Kunstsammler ist, beginnt schon früh seine eigenen Kunstwerke gegen Werke von Künstlerfreunden einzutauschen. Den weiblichen Akt wechselt er gegen eine Skulptur von Hugo Siegwart ein. Er schreibt an den Luzerner Bildhauer: "Dass Du den Akt ausgelesen, freut mich. Er ist zwar akademisch & hart, aber abgesehen davon hat er doch etwas Rassiges".

Cornelia Ackermann