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Untitled
  • Albrecht Schnider
  • Untitled, 2013

  • Acryllack auf Leinwand
  • 205 x 145 cm
  • "SCHNI1974"
  • Kunstmuseum Luzern, Eigentum der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Bundesamt für Kultur, Bern
  • © Albrecht Schnider
  • Jahr von: 2,013
  • Jahr bis: 2,013
Description
Provenance

Von Albrecht Schnider besitzt das Kunstmuseum Luzern – auch dank der Schenkung Toni Gerber – eine umfangreiche Gruppe von Arbeiten von den 1980er Jahren bis in die frühen 2000er Jahre. Verschiedene Formen der Abstraktion, aber auch gegenständliche Motive wie Kopf oder Bildgattungen wie Landschaft und Porträt sind in dieser Werkgruppe zu finden. In anderen Arbeiten des Werkkomplexes verschränkt Schnider die lange Zeit als unvereinbar geltenden Formen von Gegenständlichkeit und Abstraktion.

Das grossformatige Gemälde in Acryllack zeigt vor leuchtend gelbem Hintergrund den Umriss eines Kopfes mit Halsansatz; anstelle der Gesichtszüge findet sich darin eine grosse, weisse Fläche. Die Farbe ist gleichmässig und ohne jegliche Spur eines Pinselstrichs aufgetragen. Die glatte, spiegelnde Oberfläche lässt das Gemälde eher wie ein perfektes, industrielles Objekt erscheinen denn wie ein handgemachtes Artefakt.

Mit Werken wie «Untitled» setzt Schnider seine Recherche nach den Grundlagen der Malerei fort, die er schon in seinen frühen Malereien begonnen hatte. Die Gemälde der späten 1980er Jahre wie «Doppelportrait» von 1988 zeigen zwar noch eine ausgeprägte Malfaktur und je eine männliche und eine weibliche Büste, die man durchaus als Porträts des Künstlers und seiner damaligen Partnerin deuten könnte. Doch schon diese Bildnisse zeigen die Tendenz zur Typisierung. Während Schnider in früheren Werken diese Entpersönlichung trotz der Ausführung von eigener Hand angestrebt hat, lässt er seine Gemälde nun nach genauen Entwürfen von Assistentinnen und Assistenten produzieren.
Analog zu seiner Distanzierung von einer individuellen Handschrift im Farbauftrag gelang es dem Künstler schon in diesen frühen Gemälden, das Persönliche des Porträts aus diesen Gesichtsdarstellungen nahezu auszutreiben – ein Vorgehen, das er in dem Werk von 2013 bis zur Perfektion getrieben hat.
Studien zu vergleichbaren Werken belegen, dass die so individuell erscheinenden Konturformen des Kopfes allesamt aus exakt konstruierten, sich überschneidenden Zirkelschlägen zusammengesetzt sind. Dieser nur vermeintlichen Individualität des Gesichts aus dem Geiste der Geometrie entspricht das völlig weiss gelassene Gesichtsfeld, das einem leeren Spiegel gleicht. Heinz Stahlhut